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Ur- und Frühgeschichte: Berufsmöglichkeiten

Porträt von Berufsleuten mit Abschluss in Ur- und Frühgeschichte

Ur- und Frühgeschichte

Hansjörg Brem: Archäologe


© Hansjörg Brem
Kantonsarchäologe und Leiter des Amtes für Archäologie des Kantons Thurgau

«Wohnortswechsel, Auslandaufenthalte sowie immer wieder neue berufliche Herausforderungen blieben stete Begleiter meiner weiteren beruflichen Entwicklung.»

Laufbahn
JahrTätigkeit
JahrStudium an der Universität Zürich
JahrTätigkeit auf Ausgrabungen und in Museen im Ausland und der Schweiz
JahrPromotion an der Universität Zürich
JahrMitarbeiter der Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, Bern
JahrMitarbeiter beim Amt für Archäologie des Kantons Thurgau
JahrKantonsarchäologe und Amtsleiter
Jetzige Tätigkeit

Seit 1996 bin ich vollzeitlich als Archäologe für den Kanton Thurgau tätig. Als Amtsleiter liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit in der Führung eines Betriebes von etwa zwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich mit Archäologie von der Prospektion bis zur musealen Präsentation beschäftigen. Trotz der überwiegenden Führungsaufgabe bin ich auch als Fachperson im Betrieb tätig, daneben nehme ich Aufgaben im Rahmen übergreifender Projekte des Departementes bzw. des Kantons wahr.

Kantonale Fachstellen für Archäologie sind eng mit dem öffentlichen und privaten Bauwesen verbunden. Dabei gilt es einerseits die Anliegen der Archäologie zu vertreten, andererseits aber Kompromisse einzugehen sowie Termine und Budgets einzuhalten. Gelassenheit und Verhandlungsgeschick sind dabei so nötig wie Fachwissen und Verständnis für die Bedürfnisse von Bauherren und anderen Interessengruppen. Die Anforderungen verändern sich dabei ständig und reichen von einer bestimmten körperlichen Fitness bis zu didaktischen Fähigkeiten. Im Sinne einer ständigen Weiterbildung ist für mich Publikationstätigkeit und Öffentlichkeitsarbeit auf verschiedenen Ebenen wichtig.

Berufseinstieg

Bereits vor und während des Studiums, habe ich auf Grabungen und in Museen gearbeitet und mich daneben als Fachspezialist für das kleine Gebiet der Numismatik ausgebildet. Besonderes Interesse hatte ich auch an IT-Themen, was in Verbindung mit Archäologie damals Neuland war und mir befristete Anstellungen in verschiedenen Kantonen sowie in Deutschland und Italien und später zu einer unbefristeten Stelle bei der Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften verhalf. Dabei spielten persönliche Empfehlungen, engagierte Mitwirkung in Arbeitsgruppen und Fachvereinigungen sowie persönliche Flexibilität eine grosse Rolle; Wohnortswechsel, Auslandaufenthalte sowie immer wieder neue berufliche Herausforderungen blieben wie auch freiwilliges Engagement in Vereinen und Behörden stete Begleiter meiner weiteren beruflichen Entwicklung.

Tipps

Eine berufliche Ausrichtung auf Führungspositionen mit enger Beziehung zum Studienfach, seien sie auf akademischer oder auf der Verwaltungsebene, ist für Archäologie kaum gezielt planbar. Eine hohe Bereitschaft, Veränderungen und Unsicherheit auszuhalten sowie eine enge Verbindung von umfassenden Fachwissen mit grosser persönlicher Mobilität sowie überdurchschnittlichen sozialen und technologischen Kompetenzen sind gute Voraussetzungen für den erfolgreichen Berufseinstieg.

Nina Mekacher: Archäologin an der Schnittstelle von Kultur und Politik

Kirche, Bild von Peter H auf Pixabay
Kirche, © Bild von Peter H auf Pixabay
Kirche, Bild von Peter H auf Pixabay

Kirche, © Bild von Peter H auf Pixabay

Leiterin der Geschäftsstelle der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege

«Meine Tätigkeit beinhaltet die wissenschaftliche und administrative Leitung der Geschäftsstelle.»

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Jetzige Tätigkeit

Als wissenschaftliche Sekretärin der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) führe ich die dem Bundesamt für Kultur in Bern angegliederte Geschäftsstelle dieser unabhängigen Fachkommission des Bundes. Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege setzt sich aus 15 ausgewiesenen Fachleuten aus den Disziplinen Denkmalpflege, Archäologie, Kunstgeschichte, Architektur und Restaurierung zusammen, die ihre Tätigkeit für die Kommission nebenamtlich ausüben. Die Kommission berät Bund und Kantone in Fragen zu den Fachbereichen Archäologie, Denkmalpflege und Ortsbildschutz und wirkt mit bei der Umsetzung des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz. Dies geschieht meist in Form von ausführlichen Gutachten. In der Regel wird die EKD in Konfliktfällen tätig, wenn ein aktuelles Bauvorhaben ein Denkmal bzw. ein schützenswertes Ortsbild in seiner Existenz bedroht. Die Kommissionsgutachten beurteilen Wert und Gefährdung der betroffenen Objekte und dienen den zuständigen Behörden von Bund und Kanton als Entscheidungsgrundlage. Die Kommission nimmt auf Antrag des Bundesamtes für Kultur auch Stellung zu Gesuchen um Finanzhilfen des Bundes im Bereich der Denkmalpflege. Zu ihren Aufgaben gehört es zudem, sich mit archäologischen und denkmalpflegerischen Grundsatzfragen auseinander zu setzen – zum Beispiel zum Thema „Mobilfunkantennen an historischen Bauten“ oder „Unterirdisches Bauen im historischen Bereich“ – und die Ergebnisse zu publizieren.

Berufseinstieg

Meine Tätigkeit beinhaltet die wissenschaftliche und administrative Leitung der Geschäftsstelle. Zu meinen administrativen Aufgaben gehört es, die Zusammenarbeit der Kommission mit den Behörden und der Öffentlichkeit sicher zu stellen und die Aufträge an die Kommission zu koordinieren. Ich erteile Auskünfte und hole Informationen ein. Ich treffe mich regelmässig zu Sitzungen mit dem Präsidenten der Kommission, mit den Verantwortlichen der Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege im Bundesamt für Kultur und je nach anfallenden Geschäften mit weiteren Kontaktpersonen in- und ausserhalb der öffentlichen Verwaltung. Ausserdem bin ich für die Organisation der sechsmal jährlich stattfindenden Kommissionssitzungen zuständig, bereite die Traktanden vor und protokolliere die Sitzung.

Tipps

Meine zentrale wissenschaftliche Funktion ist die Leitung der Delegationen, die vom Kommissionspräsidenten mit der Ausarbeitung der Gutachten beauftragt werden. Diese Delegationen umfassen in der Regel neben mir ein bis zwei Kommissionsmitglieder. Unsere Aufgabe ist es, nach einem detaillierten Aktenstudium und einer Begehung vor Ort, zu der Vertreter aller involvierten Kreise eingeladen werden, einen Gutachtenentwurf zu verfassen, der dann in einer Plenarsitzung der Kommission diskutiert, zum Teil abgeändert und schliesslich verabschiedet wird. Daneben redigiere ich Stellungnahmen, bin an der Erstellung des Jahresberichts wesentlich beteiligt und bin Teil der Arbeitsgruppen, die die Grundsatzpapiere der EKD erarbeiten. Periodisch organisiert die Kommission auch Tagungen, deren Konzeption und Organisation von mir mitgetragen werden.

Ines Winet: Archäologin im Büro und im Feld

Römische Mauerreste in Winterthur, Roland zh
Römische Mauerreste in Winterthur, © Roland zh
Römische Mauerreste in Winterthur, Roland zh

Römische Mauerreste in Winterthur, © Roland zh

Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Kantonsarchäologie Zürich

«Es ist eine spannende Detektivarbeit, die aber auch eine Portion Geduld verlangt.»

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Jetzige Tätigkeit

Ich bin bei der Kantonsarchäologie Zürich als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt. Die Aufgabe dieser kantonalen Fachstelle ist es, bei Bauvorhaben in archäologischen Zonen die Spuren der Vergangenheit mittels Ausgrabungen zu untersuchen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse werden wissenschaftlich aufgearbeitet und in Fachpublikationen vorgelegt. Zusammen mit anderen Archäologinnen erforsche ich ein römisches Handwerkerquartier in Oberwinterthur. Aufgrund einer Inschrift wissen wir, dass der kleinstädtische Ort (Vicus) damals Vitudurum hiess. Ausgrabungen erfolgten in den vergangen Jahrzehnten immer wieder in Oberwinterthur. Dabei wurden die gefundenen Überreste der Bauten exakt gezeichnet, fotografiert und beschrieben. Aufgrund eines detaillierten Studiums dieser Pläne, der Fotos und der gesammelten Funden filtere ich das alltägliche Leben der damaligen Menschen heraus. Lebten die Oberwinterthurer damals in Holz- oder in Steinhäusern? Welche Indizien verraten, welches Handwerk ein Besitzer einer Parzelle betrieb? Hatte der Nachbar auch einen grossen Ofen, welcher vom Backen zeugt? Oder sprechen die vielen Abfallprodukte des Bronzehandwerks nicht eher für einen Feinschmied? Wieso wurde um 70 n. Chr. plötzlich alle Bauten abgerissen und neue errichtet; war möglicherweise ein neuer Besitzer für diese Änderungen der Grund? Liegen die WC-Gruben immer an den Grundstücksgrenzen? Wurden Haustiere gehalten im Hinterhof oder auch Gärten betrieben? Alle diese Ergebnisse gilt es mittels Text und Abbildungen fein säuberlich zu beschreiben, zu belegen und logisch darzulegen. Es ist eine spannende Detektivarbeit, die aber auch eine Portion Geduld verlangt.

Berufseinstieg

Manchmal arbeiten ganze Forscherteams an solchen Werken. Bei meinem vorherigen Buchprojekt im Kanton Zug hatte ich daher neben der Forschungsarbeit zusätzlich die Aufgabe, ein solches Team mitzuleiten. Die Arbeiten waren vielfältig: Fundmaterial an die Autor/-innen ausleihen, redigieren der Textbeiträge der Autor/-innen oder das Erarbeiten einer Synthese aus den Resultaten. Diese spannende, abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Arbeit verlangte neben kommunikativen Fähigkeiten auch Organisations- und Verhandlungsgeschick. Jüngst habe ich mit einer berufsbegleitenden Weiterbildung in Kulturmanagement begonnen, um mir ein Zusatzwissen in dieser Disziplin erwerben zu können.

Tipps

Da ich durch die genannten Jobs nicht Vollzeit beschäftigt bin, konnte ich mich immer wieder auch anderen interessanten Bereichen der Archäologie widmen. Schon während dem Studium habe ich immer wieder auf Ausgrabungen im In- und Ausland (z.B. Ägypten, Syrien, Frankreich) gearbeitet. Reste von Besiedlungen aus verschiedener Epochen zu untersuchen und das Zusammenarbeiten mit den verschiedensten Teams stellen eine spannende aber auch herausfordernde Aufgabe dar. Auch Führungen in archäologischen Ruinen und Museen mache ich seit Studienzeiten regelmässig. Im Kontakt mit dem Publikum kann ich so vermitteln, was wir Archäolog/-innen in Grabungen und Fachbücher erforschten.



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