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Pharmazeutische Wissenschaften: Studium selbst erlebt

Wie erfolgte die Studienwahl? Wie wird dieses Fach vermittelt? Ein Einblick in den Hochschul-Alltag

Im Zentrum: Wirkmechanismen von Medikamenten

T. I. studiert Pharmazie im 4. Mastersemester an der Universität Basel UNIBAS.

Nach dem Gymnasium wollte ich eigentlich Medizin studieren, nach einem fünfmonatigen Praktikum im Spital habe ich aber gemerkt, dass das nichts für mich ist. Da ich mich jedoch trotzdem sehr für den menschlichen Körper, die Gesundheit und auch Krankheit interessiere, und ich zusätzlich im Gymnasium sehr gerne naturwissenschaftliche Fächer besuchte, war das Studium der Pharmazie perfekt auf all meine Vorlieben zugeschnitten.

Ein Studium mit hoher Präsenzzeit

Zu Beginn des Studiums ist vieles ganz anders als im Gymnasium! Jeder ist selbst dafür verantwortlich, an alle wichtigen Informationen zu gelangen und man ist eine Person unter Vielen. Aber ziemlich rasch ist man im Unialltag angekommen und weiss, wie alles läuft. Die Anzahl Veranstaltungen und der zusätzliche Aufwand ausserhalb der Uni sind sehr verschieden von Semester zu Semester, denn nebst den Vorlesungen im Hörsaal beinhaltet das Studium auch zahlreiche Praktika. Ich habe das Gefühl, dass die Präsenzzeit an der Universität im Pharmaziestudium im Vergleich zu anderen Studienrichtungen ziemlich hoch ist. Auch ist das Meiste vorgeschrieben. Lediglich neun von 180 Credits im Bachelor sind frei wählbar. Bei den meisten Vorlesungen ist keine Präsenzpflicht, aber es hat mir immer sehr viel gebracht, wenn ich die Vorlesung besucht habe. Ich hatte trotz Studium immer Zeit für Hobbys, Kollegen und Freizeit. Es war auch problemlos möglich, an den Wochenenden und in den Ferien zu arbeiten, was ein super Ausgleich zu Studium ist.

Im 1. und 2. Semester besteht das Studium vor allem aus den Grundlagenfächern Chemie, Mathe und Physik. Im 3. und 4. Semester geht es dann eher um Anatomie und Physiologie des Menschen und um analytische, physikalische, organische Chemie. Im 5. und 6. Semester stehen die Strukturen und Mechanismen von Medikamenten, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen auf den menschlichen Körper im Vordergrund. Im 7. Semester (Master) kann man sein Wissen individuell vertiefen in diversen Wahlbereichen der Pharmazie. Im 8. Semester vertieft man sich im Rahmen der Masterarbeit während 5 Monaten in ein Thema und lernt das wissenschaftliche Arbeiten. Im 9. und 10. Semester ist man im Assistenzjahr, dort ist man 150 Tage in einer Apotheke am Arbeiten und nebenbei finden immer wieder Vorlesungen statt, in denen man sich das Wissen für die Apotheke aneignet.

150 Tage Praktikum in einer Apotheke

Das Studium braucht sicherlich etwas Ausdauer, Durchhaltewillen und auch Fleiss. Es ist jedoch gut machbar, wenn man etwas Freude an naturwissenschaftlichen Fächern hat. Das Studium beinhaltet immer wieder verschiedene Praktika im Labor, wo das theoretische Wissen praktisch angewendet werden kann. Im 5.Studienjahr des Masters Pharmazie ist man 150 Tage in einer Apotheke und wendet sein Wissen direkt am Patienten an. Mir gefällt vor allem die Vielfalt des Studiums. Man lernt in den 5 Jahren extrem viel über den menschlichen Körper, über Wirkmechanismen von Medikamenten und deren Anwendung.
Mich hat es teilweise gestört, dass die Vernetzung von Theorie und Praxis  zeitlich zu weit voneinander getrennt war. Schade finde ich zusätzlich, dass das Programm im 5. Jahr ziemlich gedrängt ist und so auch die Vorbereitung für die Abschlussprüfungen etwas knapp bemessen ist.
Im Grundstudium finden viele Vorlesungen gemeinsam mit den Biologie-, Chemie- und Nanostudierenden statt, da sitzen im Hörsaal gut und gerne über 150 Studierende, so hat man eigentlich wenig direkten Kontakt zu den Dozierenden, da der grösste Teil der Vorlesungen aus Frontalunterricht besteht. Im letzten Jahr sind wir ca. 75 Studierende, die das Assistenzjahr absolvieren. Durch die vielen Praktika und Gruppenarbeiten hat man mit vielen Mitstudierenden zu tun.

Vernetzung im Studium durch ein „Pharma-Gotti“

Generell ist es hilfreich, wenn man jemanden aus den höheren Jahreskursen kennt, so weiss man, worauf man schauen muss und was einen erwartet. Jemanden aus den oberen Jahreskursen kennen zu lernen geht ganz einfach, da jedem neuen Pharmazie-Studenten in der ersten Woche ein „Pharma-Gotti“ bzw. „Pharma-Götti“ zugeteilt wird, diese Person steht einem während dem ganzen Studium bei Fragen zu Verfügung.
Zurzeit bin ich mir noch nicht 100% sicher, was ich nach dem Studium genau machen möchte, denn mit diesem Studium hat man sehr viele Möglichkeiten in der Berufswelt. Man kann den Weg in die Offizin wählen oder auch in die Pharmaindustrie. Es besteht auch eine gute  Möglichkeit nach dem Studium eine Dissertation zu machen.

Die Wahl meines Studiums habe ich bis heute nie bereut, es ist sehr abwechslungsreich und extrem spannend. Das Lernen der Theorie und deren praktische Anwendung macht das Studium so toll. Auch die guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind im Vergleich zu anderen Studienrichtungen top. Ich würde mich sofort wieder für dieses Studium entscheiden.

Ein Studiengang mit interdisziplinärem Ansatz

C. B. studiert Pharmazeutische Wissenschaften im 2. Mastersemester an der ETH Zürich.

Aktuell verfasse ich meine Masterarbeit im Bereich von antimikrobiellen Peptiden (körpereigenen Eiweissen) sowie der Untersuchung über deren Interaktion mit Membranvesikeln (in der Zelle gelegene Bläschen, die für den Transport vieler Stoffe verantwortlich sind). Wie der Bachelor ist auch der Master in Pharmazeutischen Wissenschaften ein breit aufgestellter Studiengang, welcher gleichermassen theoretische wie auch praktische Aspekte einbringt, letztere insbesondere im Rahmen der Masterarbeit und des Assistenzjahres.

Zuerst das Vokabular erlernen

Die grosse Stärke des Pharmaziestudiums ist der interdisziplinäre Charakter; der Umstand, an der Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaften zu sein. Diese Kombination war für mich der ausschlaggebende Punkt, dieses Studium zu wählen. Die Konsequenz ist ein Studium, welches zu Beginn von Vorlesungen in den reinen Naturwissenschaften geprägt ist und wir damit sozusagen unser Vokabular erlernen. Später kommt die medizinische Anwendung zum Zuge, welche ihrerseits eigene Gesetzmässigkeiten hat. Aber keine medizinische Anwendung im Rahmen einer medikamentösen Therapie ist ohne entsprechende naturwissenschaftliche Kenntnisse möglich.

Infolge der biologisch-chemischen Ausrichtung ist die vorgängige Belegung des Schwerpunktfaches Biologie & Chemie bzw. Mathematik & Physik oder eines entsprechenden Ergänzungsfaches im Gymnasium hilfreich, aber auf keinen Fall eine Vorbedingung. Die ausschlaggebenden Eigenschaften zum Bestehen dieses Studiums bleiben der Wille, die Freude am interdisziplinären Ansatz und der persönliche Einsatz.

Wie bei anderen Studiengängen der ETH ist eine intensivere Arbeitstätigkeit nebenbei nicht zu empfehlen. Nachhilfestunden oder ein übliches Engagement in einem Verein sind gut mit dem Studium vereinbar. Ich würde aber keineswegs ein zeitliches Engagement, egal ob beruflich oder privat, von mehr als 20% empfehlen, denn irgendwo braucht man auch noch Raum für Ruhe und Erholung. Falls eine intensivere Arbeitstätigkeit finanziell notwendig ist, muss man einfach mit einer Studienlänge von mindestens vier Jahren für den Bachelor rechnen.

Teilweise viel Auswendiglernen

Der Pharmaziestudiengang ist grundsätzlich arbeitsintensiv, bietet jedoch auch die Möglichkeit, dass man sehr viel in der eigenen Hand hat, sprich man entscheidet im Endeffekt durch den eigenen betriebenen Aufwand über Erfolg und Misserfolg an den Prüfungen. Die Konsequenz ist ein streckenweise hoher Anteil an Auswendiglernen. Je nach Lerntyp liegt einem dies mehr oder weniger, aber man gewöhnt sich relativ schnell an die Umstände. In der Basisprüfung, der grossen Prüfung nach dem ersten Studienjahr, bestehen im Schnitt gegen 60-65%, später meist 90% oder mehr. Meine Erfahrungen mit Prüfungen sind durchgehend positiv, sprich die Prüfungen sind fair gestaltet und mit einer ausreichenden Vorbereitung sind sie wirklich zu meistern.

Ein wertvoller Aspekt meines Studiums ist für mich die grosse Nähe zwischen den Studenten und Professoren des Pharmazeutischen Institutes, sowie deren grosses Engagement für die Lehre. Zu Beginn des Studiums versinkt man ein wenig in der Menge, weil man mit 400 anderen Studenten aus Biologie und Health Science & Technology im Hörsaal sitzt, doch sobald man Vorlesungen bei Dozenten unseres Institutes hat, tritt ein familiäres Verhältnis ein. Im 3. Jahr ist man im Schnitt mit 60-70 Mitstudenten zusammen, sodass jeder sicherlich seine Kolleginnen und Kollegen findet und nicht in der Anonymität verschwindet.

Akademische oder industrielle Forschung als Berufsziel

Für mich war zu Beginn des Studiums klar, dass ich ein Doktorat machen möchte. Der anschliessende Pfad, sprich ob akademische oder industrielle Forschung, wird sich in dieser Zeit klären. Sicher ist aber, dass mir das Pharmaziestudium erlaubt, mich in vielerlei Richtungen zu entwickeln. Das eidgenössische Apothekerdiplom erlaubt den direkten Zugang in die medizinische Anwendung im Spital oder einer öffentlichen Apotheke, stets noch die bevorzugte Anstellung der Pharma-Absolventinnen und -absolventen. Aber auch Positionen in der Pharmazeutischen Industrie auf diversen Ebenen von Forschung bis Produktion und Marketing und natürlich die universitäre Forschung sind möglich. Je nach Gebiet ist eine Spezialisierung notwendig, meist in Form eines Doktorates.

Wer einen interdisziplinären Ansatz bevorzugt, sollte den Pharmaziestudiengang ernsthaft in Betracht ziehen. Es gab deshalb bisher keinen Zeitpunkt in meinem Pharmaziestudium, in welchem ich an meiner Wahl zweifelte. Meine vorgängigen Erwartungen wurden diesbezüglich auch jeweils erfüllt.



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