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Hebamme: Studium selbst erlebt

Wie erfolgte die Studienwahl? Wie wird dieses Fach vermittelt? Ein Einblick in den Hochschul-Alltag

Es ist unglaublich, von Anfang an dabei zu sein, wenn neues Leben beginnt.

G. S. studiert Hebamme im 6. Semester an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.

Wie hast du dich auf das Studium vorbereitet?

Nach der BMS (Berufsmaturitätsschule) habe ich einen Informationsanlass besucht und mich dann für das Aufnahmeverfahren angemeldet. Ich hatte recht Angst davor, weil es selektiv ist. Andererseits fand ich es toll, endlich zeigen zu können, warum ich wirklich Hebamme werden will. Es war wichtig, dass ich mich mit dem Beruf auseinandergesetzt hatte - so habe ich die Abklärung bestanden.

Wie ging das Studium los?

Die ersten beiden Semester waren an der Hochschule, danach kam das erste Praktikum. Wobei wir am Anfang des Studiums das Modul "Lernen von Schwangeren" hatten. Dabei geht es darum, eine Frau während ihrer Schwangerschaft zu begleiten. Natürlich nicht fachlich, dazu war es noch zu früh. Aber wir hatten Gelegenheit, eine Schwangere kennen zu lernen und durften diese zum Beispiel zum Kaffee treffen und ausfragen. Daneben ist das Studium sehr praktisch orientiert. Man lernt mit lebensnahen Puppen, an denen man Handgriffe übt. Weiter lernen wir, wie man eine Handlung durchführt und gleichzeitig das Paar einbezieht und informiert. Im ersten Praktikum war ich anfangs nervös und die Anspannung war gross. Ich wollte gut sein und das Gelernte umsetzen. Gleichzeitig war es auch anstrengend als Studentin im Spital zu sein, sich anzupassen an die Praxis, dazu die Schichtarbeit. Aber dadurch, dass man das Gelernte nun auch erlebt, wird das Verständnis nochmals grösser.

Hattest du bis da schon Geburten begleitet?

Nein, die ersten Geburten kamen erst nach dem dritten Semester, da hatte ich 20 Wochen Praktikum am Stück, im Gebärsaal eines Spitals - dies ist aber je nach Praktikumseinteilungen nicht bei allen gleich. Darauf freute ich mich sehr, schliesslich konnte ich es endlich erleben. Ich habe dann gemerkt: einerseits hat man das schon gelernt an der Hochschule- und andererseits ist es völlig neu. Nach der ersten Geburt dachte ich schon: Ui, hat das jetzt wirklich stattgefunden? Ich konnte auch bei Geburten von Anfang an dabei sein, natürlich mit einer Praxisbegleiterin. Ein Highlight ist es immer, wenn ich das Kind selber entwickeln kann, wie wir dem sagen. Also wenn man den Kopf sieht, eine Hand am Damm der Frau, eine Hand am Kopf des Kindes, damit es nicht zu schnell kommt und dann dabei hilft, das Kind auf die Welt zu bringen. Danach abnabeln, schnaufen kontrollieren, dem Mami zum Kuscheln geben. Das ist unglaublich, wirklich von Anfang an dabei sein wenn ein neues Leben beginnt. Man lernt schon früh im Studium, dass man Verantwortung übernehmen muss und wächst da schrittweise hinein. Das hilft auch in schwierigeren Situationen. Schliesslich sind alle Frauen unterschiedlich, und als Hebamme muss man zu allen den Kontakt finden und schnell reagieren können.

Wo stehst du jetzt im Studium?

Ich bin gerade dabei meine Bachelorarbeit zu schreiben. Ich schreibe sie zusammen mit einer Kollegin über das Thema, wie man nach traumatischen und schwierigen Geburten mit den Frauen ein Geburtsnachgespräch führen kann. Ich habe in den Praktika gemerkt, dass die Frauen nach der Geburt nicht sehr viel über den Ablauf ihrer Geburt wissen. Wenn man sie fragt, sagen sie meistens: "Jaja, ist schon gut, Hauptsache dem Kind geht es gut." Ich finde aber, es ist ein Recht der Frau zu erfahren, wie es genau gelaufen ist. Es gibt immer wieder Frauen, die einen Geburtsverlauf erzählen, der schlicht nicht stimmen kann, weil ihnen die nötigen Informationen fehlen. Aber gerade wenn die Frauen die Geburt traumatisch erlebt haben, ist es wichtig, darüber zu reden und informiert zu sein. So kann man posttraumatischen Belastungsstörungen womöglich vorbeugen. Wir machen in der Bachelorarbeit einerseits eine Literaturreview, was es alles gibt zum Thema. Dann entwickeln wir für den Praxistransfer einen Gesprächsleitfaden für Hebammen. Ziel ist es, dem Gespräch eine Struktur zu geben und wichtige Inhalte aufzuzeigen, damit dadurch die Hebammen dem Geburtsnachgespräch mehr Priorität geben können.

Ist das dann der Abschluss des Studiums?

Jetzt bin ich im sechsten Semester: Wir haben zur Zeit noch Schule, schreiben unsere Bachelorarbeit und haben dann noch Abschlussprüfungen. Im Unterricht besprechen wir sogenannte kritische Ereignisse. Dazu braucht man das gesamte Wissen aus dem Studium und verknüpft verschiedene Fächer aber auch die Praxiserfahrung. Wir üben nochmals praktisch, auch mit Schauspielern. Dann haben wir noch ein Modul "besondere Familien". Es besuchen uns verschiedenste Leute, unter anderem ein homosexuelles Paar, eine Mutter im Rollstuhl, eine Hörgeschädigte, eine Mutter die ihre Kinder adoptiert hat, Drogenabhängige und so weiter. Sie erzählen von ihrer Geschichte und stellen sich all unseren Fragen. Daneben haben wir berufspolitische Fragestellungen und Projektarbeiten. Im September starte ich dann das letzte Studienjahr- ein ganzes Jahr Praktikum.

Was würdest du jemandem empfehlen, der sich für den Beruf interessiert?

Sicherlich braucht man ein Interesse für alle Themen über Schwangerschaft, Geburt und Familien. Und ganz wichtig finde ich eine offene und wertschätzende Haltung. Wir erleben viele verschiedene Frauen, unterschiedliche Kulturen. Es gibt verschiedenste Paardynamiken, unterschiedliche Familienverhältnisse und jede Geburt ist anders. Damit muss man klarkommen und einerseits empathisch sein und andererseits anpacken können. Wir wissen sehr viel und erfahren sehr viele, auch intime Dinge von den Menschen, die wir begleiten. Offenheit und Respekt ist da wichtig. Zudem muss man sich auch bewusst sein, dass es auch unschöne Seiten gibt, wenn ein Kind stirbt oder Fehlbildungen hat, oder eine Frau eine Abtreibung hat. Das ist nicht alltäglich, aber es kommt vor. Und auch da brauchen wir unsere offene Haltung für eine liebevolle und fachliche Betreuung.



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