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Judaistik, Jüdische Studien: Studium selbst erlebt

Wie erfolgte die Studienwahl? Wie wird dieses Fach vermittelt? Ein Einblick in den Hochschul-Alltag

Fremddefinitionen genauer untersuchen

M. D. studiert Jüdische Studien im 6. Semester an der Universität Basel UNIBAS.

Ich schätze das vielfältige Studienangebot und die Breite der angebotenen Themen. Das Studium Jüdische Studien in Basel umfasst die drei thematischen Bereiche Sprache, Geschichte, Literatur und Religion. Es bietet somit die unterschiedlichsten Vertiefungsmöglichkeiten. Besonders faszinieren mich Themen, die das "Jüdische" im Bezug zu Anderem, und dabei Selbst- und Fremddefinitionen genauer untersuchen. Da relativ wenige dieses Fach studieren, ist die Atmosphäre angenehm und das Verhältnis zwischen Studierenden und Dozierenden sehr persönlich.

Wichtig zu erwähnen sind die jährlichen Exkursionen wie beispielsweise zu "Das jüdische Prag" und dieses Semester zu "Das jüdische Krakau". Hierzu habe ich zusammen mit einem anderen Studierenden ein Referat mit dem Thema "Nach der Wende. Zwischen Jiddischland und Antisemitismus" geschrieben. Wir sind auf die Vermarktung des "Jüdischen" im heutigen Krakau eingegangen und haben das Phänomen der "jewish style cafés" und die Erfindung einer "jüdischen Kultur" untersucht.

Ich würde allen Interessierten raten, einen Sprachaufenthalt in Israel zu absolvieren. Mir hat es nicht nur für die Sprache etwas gebracht, sondern ich fand es auch sehr interessant, auf diesem Weg Land, Menschen und Kultur in Israel besser kennen und verstehen zu lernen.

Kritische Auseinandersetzung mit komplexen Themen

D .F. studiert Judaistik im 2. Semester Master an der Universität Luzern UNILU.

Das Judaistik-Studium empfinde ich nicht als besonders streng im Sinne einer Anhäufung von Wissen. Positiv ist, dass man in der Judaistik nicht auf dem eigenen gewohnten Denken ausruhen kann, sondern herausgefordert ist, komplexe Themen aus allen erdenklichen und vor allem auch kritischen Perspektiven schonungslos zu betrachten. Was man dabei lernen kann, endet dann nicht am Eingang der Uni, sondern beschäftigt mich persönlich auch in meinem ganz privaten Denken. Das Schöne in meinem Studium ist, dass ich sehr viel philosophischer mit Themen umgehen darf als in anderen Fächern.

Die Themen, mit denen man sich in der Judaistik beschäftigt, werden mit der Realität verbunden und oft werden philosophisch Brücken zur Gegenwart geschlagen. Es geht also nicht darum, Dinge einfach auswendig zu lernen und Wissen zu speichern, sondern darum, sich wirklich auf ein Thema einzulassen, es kritisch zu betrachten und auch zu akzeptieren, dass man nicht immer klare Antworten auf alle Fragen finden kann. Kurz gesagt: Selbstständiges, zusammenhängendes, philosophisches und kritisches Denkvermögen wird im Judaistik-Studium stark ausgebildet, gefördert sowie auch gefordert.

Ich würde angehenden Studierenden, die viele verschiedene Interessen haben, den Rat geben, eine Judaistik Vorlesung mal zu besuchen. Viele Leute können sich nichts Genaues darunter vorstellen, wenn man ihnen sagt, dass man Judaistik studiert.



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