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Erdwissenschaften: Berufsmöglichkeiten

Porträts von Berufsleuten mit Abschluss in Erdwissenschaften

Erdwissenschaften

Hans-Heini Utelli: Geologe in der Beurteilung von Naturgefahren

Symbolbild Sturm
Symbolbild Sturm, © Bild von Free-Photos auf Pixabay
Geologe und Geschäftsleitungsmitglied bei IMPULS

«Zu meinen Hauptaufgabengebieten gehören unter anderem die Beurteilung von Risiken durch Naturgefahren sowie die Erarbeitung und Begleitung von Schutzmassnahmen.»

JahrTätigkeit
Seit 2002 – heuteGeologe und Mitglied der Geschäftsleitung bei IMPULS – Wald Landschaft Naturgefahren in Thun (70%)
Seit 1998 – heuteSelbständig erwerbender Bergführer
2002Projektleitung bei einer NGO (Mountain Wilderness Schweiz) für den Aufbau einer Umweltfachstelle Trendsportarten
2001Sachbearbeitung von Naturgefahrenprojekten und Baubegleitung im Lötschberg-Basistunnel bei KELLERHALS + HAEFELI AG, Bern
1999 - 2000Anstellungen als Geologe bei BABU GmbH in Zürich (v.a. Altlasten und Baugrundgeologie) und Kellerhals+Haefeli AG in Bern (Baubegleitung Lötschberg Basistunnel, Naturgefahren)
1998 – 1999Praktikum („environmental geologist“) in einem Schweizerisch-Chinesischen Joint-Venture in Peking
1994 - 1995Praktikum am Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) in Davos
1992 - 1998Studium der Erdwissenschaften
Jetzige Tätigkeit

"Ob dieser Felsblock wohl auf das Gleis stürzt?" Ich stehe zuoberst an einer Felswand, schaue hinunter auf das Gleis, wo gerade der Intercity durchfährt. Der Gedanke lässt mich nicht mehr los, während ich noch Kluft- und Schichtflächen messe und mir im Kopf ein geologisches Modell der Trennflächen zurechtlege. Im Abstieg studiere ich die verschiedenen Schlagspuren an den Bäumen, die vom Steinschlag herrühren. Unten am Gleis kehren die Gedanken wieder zurück zum Zug, der soeben vorbeifuhr. "Was passiert, wenn der Block den Zug trifft oder auf dem Gleis liegen bleibt? Wie wahrscheinlich ist es? Was könnte man dagegen tun und ist das verhältnismässig?"

Diesen und ähnlichen Fragen gehe ich auf den Grund, seit ich vor 17 Jahren bei IMPULS – Wald Landschaft Naturgefahren in Thun zu arbeiten begonnen habe. Seit 2005 bin ich auch Mitglied der Geschäftsleitung. Wir sind ein privates Planungs- und Ingenieur-Unternehmen mit den drei Fachbereichen Wald, Landschaft und Naturgefahren.

In einem interdisziplinären Team mit Geologen, Forstingenieuren, Geografen, Biologinnen und Bauzeichnern bieten wir unter anderem Dienstleistungen an von der Gefahrenbeurteilung bis hin zur Baubegleitung von Massnahmen zum Schutz vor Naturgefahren (Steinschlag und Felssturz, Rutschungen, Lawinen, Hochwasser und Murgang). Dabei arbeiten wir eng mit unseren Auftraggebern zusammen. Dies sind Gemeinden, Korporationen, Bahnen, kantonale Stellen und Bundesstellen sowie die nationalen und kantonalen Behörden, die für den Schutz vor Naturgefahren zuständig sind.

Neben meiner Haupttätigkeit im Fachbereich Naturgefahren bin ich für den GIS-Bereich bei uns zuständig. Die Analyse geografischer Daten, die Datenmodellierung wie auch die Darstellung komplexer Zusammenhänge auf Karten stehen dabei im Vordergrund.

Berufseinstieg

Bei mir erfolgte der Berufseinstieg einerseits über ein 9-monatiges Praktikum am SLF in Davos, das ich zwischen Grund- und Fachstudium (heute zwischen Bachelor- und Masterstudium) absolvierte. Nach dem Studium machte ich ein Auslandpraktikum in China. Generell waren und sind auch heute noch relativ wenige Stellen in diesem Gebiet ausgeschrieben, so dass man sich aktiv auf dem Stellenmarkt bewegen muss. Durch mein zweites berufliches Standbein als Bergführer hatte ich jedoch keinen Stress, eine passende Stelle zu finden. Diese Gelassenheit war vermutlich auch im Bewerbungsprozess und bei den Gesprächen spürbar.

Tipps

Generell erleichtern Praktika oder studentische Nebenjobs im gesuchten Bereich die Suche sehr (z.B. für die Netzwerkerweiterung, Sammlung von spezifischen Berufserfahrungen, spezifische Referenzkontakte, beruflich erste Anknüpfungspunkte). Während der Stellensuche empfiehlt es sich, das persönliche Netzwerk aus dem Studium zu aktivieren. Auch Spontanbewerbungen können lohnenswert sein, d.h. aktiv auf entsprechende Leute zugehen bzw. nach Unternehmungen suchen, deren Dienstleistungen interessieren und deren Personalpolitik anspricht.

Annia Lemaire: Geologin im Amt für Umweltschutz

Symbolbild Fabrik
Symbolbild Fabrik, © Michael Gaida auf Pixabay
Geologin

«Die Untersuchung von belasteten Standorten und Altlasten faszinierte mich bereits während dem Studium. Meine Arbeit bestand aus Begehungen von manchmal grossen, meist stillgelegten Industriearealen.»

JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
Jetzige Tätigkeit

Seit vier Jahren arbeite ich als Gebietsverantwortliche für Altlasten in der kantonalen Staatsverwaltung St.Gallen im Amt für Umweltschutz. Ich bin also für die belasteten Standorte und Altlasten eines Teils des Kantons St.Gallen zuständig beziehungsweise funktioniere als Aufsichtsbehörde. Mein engeres Team besteht aus fünf Arbeitskollegen und meinem direkten Vorgesetzten. Im gesamten Amt sind wir zirka 80 Mitarbeitende, Sektions- und Abteilungsleiter welche verschiedene Umwelt- und Fachbereiche abdecken.

Meine Arbeit besteht aus der Beratung von Grundeigentümern, welche solche belastete Standorte beziehungsweise Altlasten besitzen. Meist geht es um Handänderungen, Bauen auf belasteten Standorten oder allenfalls Sanierungen. Diese Grundeigentümer können Privatpersonen, Gemeinden, Kanton oder Bund sein. Als Aufsichtsbehörde gehört auch das Verfassen von Verfügungen und Stellungnahmen zu Untersuchungen und Sanierungsprojekten dazu.

Berufseinstieg

[nicht definitiver Text]Die Untersuchung von belasteten Standorten und Altlasten faszinierte mich bereits während dem Studium. Meine Arbeit bestand aus Begehungen von manchmal grossen, meist stillgelegten Industriearealen. Durch Befragungen von langjährigen Mitarbeitern musste man sich ein Bild machen, um die möglichen Belastungsherde im Untergrund und allenfalls in der Bausubstanz auszumachen. Dann galt es Beprobungskonzepte zu erstellen und die Daten in Berichten so zusammenzustellen, dass auch eine externe, nicht fachkundige Person die Gedankengänge, Resultate und Folgerungen verstand. Schliesslich waren Sanierungsprojekte zu erarbeiten und deren Ausführung zu begleiten.

Die Altlastenbearbeitung war zu diesem Zeitpunkt ein ganz neues Arbeitsfeld. Niemand wusste damals genau, wie man einen Industrie- bzw. einen Betriebsstandort oder eine Altablagerung, welche während Jahren genutzt wurde, hinsichtlich Belastungen im Untergrund und im Grundwasser beurteilt, technisch untersucht und allenfalls saniert. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Verordnung, welche die Begriffe, die Grenzwerte oder das Vorgehen regelte und festlegte. Jedes altlastenkundige Fachbüro hatte seine eigenen Methoden, Vorgehens- und Beurteilungsweisen. Erst 1998 lag die Eidgenössische Altlastenverordnung vor, und die ersten Kantone verfügten über einen sogenannten Verdachtsflächenkataster. Dies ist eine Karte, auf der alle Altablagerungen, Betriebstandorte und Unfälle ersichtlich sind, welche möglicherweise den Untergrund oder das Grundwasser belasten.

Tipps

[nicht definitiver Text] Die Altlastenbearbeitung ist ein sehr interdisziplinäres Arbeitsfeld. Es tangiert die Disziplinen Industriegeschichte, Produktionsprozesse aller möglichen belastungsrelevanten Branchen, Chemie, Hydrogeologie und zu einem kleinen Teil auch Geologie.

Geologe als Beauftragter der Universität Basel für Kantonsgeologie

Symbolbild Wasser
Symbolbild Wasser, © Bild von roegger auf Pixabay
Forscher im Bereich der Umweltgeowissenschaften:

«Aus einfachen Fragen eröffnen sich oft recht knifflige Problemstellungen.»

Laufbahn
Leiter der Forschungsgruppe Angewandte und Umweltgeologie der Universität Basel, Beauftragter der Universität Basel für Kantonsgeologie
Postdoc Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Eawag und Lehrbeauftragter an der ETH Zürich
Postdocs an der Eawag und am Geologischen Institut der Universität Genf
Doktorat am Geologischen Institut der ETH Zürich
Studium Erdwissenschaften an der ETH Zürich
Jetzige Tätigkeit

Das aktuelle Tätigkeitsfeld der Kantonsgeologie Basel ist schweizweit einzigartig: eine Universitätsstelle, die sich im Umweltbereich mit Forschung, Lehre und Beratung von kantonalen Fachstellen in geologischen und hydrogeologischen Fragen befasst. In der Praxis eröffnen sich aus einfachen Fragen oft knifflige Problemstellungen. Welches sind zum Beispiel die Auswirkungen von natürlicher oder künstlicher unterirdischer Lösung von Steinsalz auf die Grundwasserqualität? Gibt es in der Folge Absenkungen an der Erdoberfläche? Aus solchen vermeintlich einfachen Fragen entwickeln sich anspruchsvolle Problemstellungen, die im Rahmen von Nationalfondsprojekten angegangen werden und die zu spannenden Projektzusammenarbeiten mit anderen Universitäten führen können.
Meine Aufgaben als Leiter der Forschungsgruppe Angewandte und Umweltgeologie (AUG) der Universität Basel und als Beauftragter der Universität Basel für Kantonsgeologie sind hauptsächlich die Initiierung von Forschungs- und angewandten Projekten. Konkret bedeutet dies das Schreiben von Proposals, Projektleitungen und Begleitung von Projekten sowie Berichterstattung und Präsentation von Resultaten. Daneben stellen Lehre und Exkursionen eine Abwechslung dar. Neben diesen Aufgaben gibt es natürlich auch gewisse administrative Arbeiten.
Wichtige Themen, mit denen wir uns befassen, betreffen die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasserressourcen im urbanen Raum. Es zeigt sich, dass in zunehmend dichter besiedelten und industrialisierten Gebieten fundierte Kenntnisse der oberflächennahen geologischen und hydrogeologischen Prozesse eine immer wichtigere Bedeutung erlangen. Konflikte über die aktuelle und zukünftige Nutzung von Wasser oder Energie führen zu interessanten Projekten im Bereich der urbanen Geologie und Hydrogeologie. Projekte im urbanen Raum stellen den eigentlichen Schwerpunkt der Forschungs- und Beratungsprojekte der AUG dar. Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns zudem auch mit den Auswirkungen von Klimaänderungen auf die Verfügbarkeit und die Qualität von urbanen Wasserressourcen.

Berufseinstieg

Meine zusätzlichen fachlichen Vertiefungen nach dem Geologiestudium an der ETH umfassten Forschungstätigkeiten an der EAWAG in Dübendorf und der Universität Genf. Die Forschungsthemen konzentrierten sich auf Sedimentologie von Lockergesteinen, Hydrogeophysik, Hydrogeologie sowie Altlasten. Diese Forschungstätigkeiten lieferten eine solide Basis für den Schwerpunkt urbane Hydrogeologie in Basel.

Tipps

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