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Neurowissenschaften: Studium selbst erlebt

Wie erfolgte die Studienwahl? Wie wird dieses Fach vermittelt? Ein Einblick in den Hochschul-Alltag

Fasziniert von der Funktionsweise des Gehirns

J. K. studiert Neural Systems and Computation im 3. Semester Master an der ETH Zürich.

An den Neurowissenschaften fasziniert mich, dass sie unter anderem versuchen Fragen von grosser menschlicher Relevanz zu beantworten. Zum Beispiel die Frage nach dem freien Willen oder die Frage, wie Bewusstsein im Gehirn entsteht. Die Technologien, die aus dem gewonnenen Wissen entstehen könnten, haben das Potenzial, die Welt zu verändern.

Die Kurse decken ein breites Spektrum ab. Es gab Kurse mit philosophischem Fokus wie "Neurobiology of Consciousness", Kurse über die Biologie des Gehirns und Einführungskurse in die Neuroinformatik. Die meisten Veranstaltungen werden auf Englisch abgehalten. Dazu gab es praktische Kurse, in denen wir u.a. eine Messelektrode gebaut haben.

Für einen Teil meiner Abschlussarbeit untersuche ich bei der Katze den relativen Einfluss von drei Faktoren auf die Aktivität eines Neurons im sogenannten Primary Visual Cortex, einem wichtigen Zentrum für das Sehen: das Nachbarneuron, der Stimulus (also das, was die Katze sieht) und das Local Field Potential (eine Art Durchschnitt über die Aktivität der Neuronen in der Region). Dazu analysiere ich bereits gesammelte Daten mit Hilfe eines generalisierten linearen Modells.

Einblick in komplexe Hirnfunktionen

T. Ch. studiert Gesundheitswissenschaften und Technologie mit Vertiefung Neurowissenschaften im 3. Semester Master an der ETH Zürich

Ich war schon lange fasziniert vom Hirn und vom menschlichen Körper. Zudem litt mein Grossvater sehr schwer an Alzheimer. In Zukunft etwas zur Therapie dieser Krankheit beitragen zu können, motivierte mich enorm, obwohl ich mir eigentlich das anspruchsvolle Masterstudium nicht wirklich zugetraut hatte. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass meine Unsicherheit unbegründet war. Wenn das Interesse und die Motivation da sind, dann ist es sehr gut zu bewältigen.

Zentrale Themen sind Strukturen und Funktionsweisen von Gehirn und Nervensystem, z.B. wie Erinnerungsvorgänge und komplexe Verhaltensweisen gesteuert oder Muskeln aktiviert werden oder aber wie der Lernprozess – sei es für Bewegungen oder Wissen – abläuft. Einen grossen Teil des Studiums nehmen Krankheiten und Verletzungen des Gehirns und des Nervensystems ein, z.B. Alzheimer, MS, Schlaganfälle aber auch Verletzungen wie Querschnittlähmung oder psychiatrische Störungen. Interessant sind auch die Schnittstellen zwischen Hirn, Informatik und Neurorobotik sowie die Modellierung komplexer neuronaler Schaltkreise.

Ganz wichtig: die Studiengänge Gesundheits- und Neurowissenschaften bilden keine praktizierenden Ärztinnen und Ärzte aus und sind kein Ersatzstudium für die, die den Numerus Clausus fürs Medizinstudium nicht bestehen. Mein Studium ist ganz auf die Forschung ausgelegt.

Ich denke Neurowissenschaften ist eines der Fächer mit dem grössten Zukunftspotential. Es ist noch so wenig erforscht vom menschlichen Hirn, und ich glaube in den nächsten Jahren werden ganz viele und unglaubliche neue Erkenntnisse hinzukommen. In Kombination mit den technischen Fortschritten im Gebiet der Künstlichen Intelligenz können wir gespannt sein, wie sehr sich alles in Richtung Science Fiction entwickelt.



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