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Pflege: Studium selbst erlebt

Wie erfolgte die Studienwahl? Wie wird dieses Fach vermittelt? Ein Einblick in den Hochschul-Alltag

Mit Schauspielpatienten üben

Y. Z. studiert Pflege im 4. Semester an der Berner Fachhochschule BFH.

Wie bist du zum Bachelorstudium Pflege gekommen?

Bei der Berufswahl in der Oberstufe interessierte ich mich sehr für die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit EFZ (FaGe). Mit der Schnupperlehre bestätigte sich das Gefühl, dass dieser Beruf der Richtige für mich ist. Somit habe ich mich für die Ausbildung in der Langzeitpflege mit begleitender Berufsmatura entschieden. Die Beziehungen zu den Bewohnern und die Wertschätzung der Arbeit waren ausschlaggebend für den Langzeitbereich. Im Zwischenjahr nach meiner Ausbildung war ich in Australien und Neuseeland auf Reisen. Mir war klar, dass ich nach der Rückkehr studieren möchte.

Wie hast du dich entschieden?

Nach meiner Rückkehr von den Reisen, besuchte ich einen Informationsanlass für den Bachelor of Science in Pflege und hatte einen guten Eindruck von der Schule und der Stadt. Nach diesen Eindrücken habe ich mich getraut, mich für die Eignungsabklärung in Bern und auch Winterthur anzumelden.

Wie waren diese Eignungsabklärungen?

Beide waren sehr unterschiedlich. In Winterthur war es ein schriftlicher Teil, der eher ein Kognitionstest war. Weiter gab es ein Gespräch, welches sehr angenehm und wie ein Vorstellungsgespräch war. In Bern war die Eignungsabklärung schriftlich, dafür waren die Aufgaben in meinen Augen deutlich näher an der Pflege. Ich habe dann an beiden Orten bestanden und entschied mich für Bern. Die Berner Fachhochschule (BFH) war von Anfang an mein Favorit und meine Kolleginnen hatten bereits ein WG-Zimmer für mich, weshalb die Wahl mir leicht fiel.

Wie hast du den Studienstart erlebt?

Am Anfang hat man viele Vorlesungen und auch einmal pro Woche zusammen mit Studierenden aus anderen Bachelorstudiengängen wie Physiotherapie und Hebamme Unterricht. Die Vorlesungen finden in grossen Sälen statt, da musste ich mich schon zuerst zurechtfinden. In der Kohorte Pflege begannen 72 Studierende, 90% Frauen - und ich habe niemanden gekannt.
Im ersten Jahr hat man nebst den theoretischen Anteilen auch zweimal einen halben Tag sogenannte Skillstrainings. Da geht es darum, aneinander oder an Puppen medizinaltechnische sowie pflegerische Dinge zu üben,  zum Beispiel eine Blutentnahme zu machen oder eine Infusion zu legen. Als FaGe kannte ich natürlich einiges. Im Hinblick auf die Prüfungen war ich aber froh, nochmals alle Handgriffe  üben zu können. So erlernte ich alles nach dem neusten wissenschaftlichen Stand.

Kannst du etwas aus deinem jetzigen Studienalltag erzählen?

Wir haben momentan im zweiten Studienjahr das Modul Clinical Assessment, wo wir die klinische Untersuchung von Patientinnen und Patienten erlernen. Dieses Modul finde ich sehr spannend und lehrreich. Wir lernen körperliche Untersuchungen durchzuführen wie beispielsweise die Lunge, das Herz oder das Abdomen. Über alle Semester absolvieren wir Kommunikationsseminare mit anschliessenden Kommunikationstrainings. In den Seminaren diskutieren wir Problemstellungen und Herausforderungen in der Kommunikation. Danach geht man ins Training mit den Schauspielerpatienten, wo man im Rahmen eines Fallbeispiels kommunizieren und handeln muss. Dabei wird man als Studierende gefilmt und von einem Mitstudenten beobachtet. Anschliessend wertet man zu dritt mit der Schauspielerin oder dem Schauspieler die Situation aus und bespricht sie. Das ist sehr wertvoll, gerade wenn man in schwierigen Situationen gefordert ist. Auch weil der Beschrieb der Situationen relativ offen ist, kommt es sehr nahe an die Realität.

Kannst du eine Sequenz des Kommunikationstrainings beschreiben?

Ja, also  ich hatte einmal eine Situation mit folgenden Informationen: Patient, 32, Velounfall, operierter Knochenbruch. Er leidet  zudem an  einem zu hohen Blutzucker, weshalb ihm neu  Diabetes mellitus diagnostiziert wurde. Der Patient wünschte ein Gespräch um Fragen zu klären. Also völlig unverdächtig und ganz normal. Ich komme ins Zimmer hinein und finde den Patienten völlig aufgelöst und überfordert. Im Vordergrund steht plötzlich, dass ich ein Krisengespräch führen muss, den Patienten emotional abholen und beruhigen soll. An den ursprünglichen Plan, nämlich dem Patienten Fragen bezüglich seiner neu gestellten Diagnose zu beantworten,  war nicht mehr zu denken.

Das braucht viel Flexibilität, dass man so umstellen kann.

Ja, aber genau solche Situationen können auch in der Praxis so auftreten. Es ist sehr nützlich, dass man das im Studium trainiert und lernt, wie man reagieren kann. Nach dem Training analysieren wir die Situation in einem Reflexionsbericht.

Du hast gerade die Praxis erwähnt, wie kommst du damit in Kontakt während dem Studium?

Im Studium gibt es grosse Praktikumsblöcke, welche 8 bis 20 Wochen dauern. Dabei werden Fertigkeiten vertieft und praktische Erfahrung gesammelt. Man hat für das Praktikum eine Kompetenzliste, die man erarbeiten muss. Im Praktikum muss man sich selbständig für seine Kompetenzen einsetzen. Das bedeutet, sich täglich Ziele setzen - und schauen, dass man diese auch erreicht. Ebenfalls haben wir eine Skillsprüfung, bei der unsere praktischen Fähigkeiten getestet werden. Um uns fachlich zu vertiefen und die Forschung mit Praxisbeispielen verknüpfen zu können, haben wir mit Praxislehrpersonen Transfercoachings.

Wenn du deine Praxis jetzt vergleichst mit der Zeit als FAGE, was hat sich verändert?

Mein Wissen ist breiter und tiefer geworden. Heute kann ich begründen, was und wieso ich es so mache. Ebenfalls kann ich nun mein Handeln hinterfragen und mit aktuellen Studien belegen. Früher als FaGe hat mich das manchmal gestört, dass man gewisse Dinge nicht hinterfragt, sondern  eher rituell ausgeführt hat.



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