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Konservierung / Restaurierung: Studium selbst erlebt

Wie erfolgte die Studienwahl? Wie wird dieses Fach vermittelt? Ein Einblick in den Hochschul-Alltag

Spannende und erfüllende Arbeit

E.B. studiert Konservierung-Restaurierung im 4. Semester Master an der Hochschule der Künste Bern HKB.

Was fasziniert Sie am Fach?

Mich fasziniert Kunst, Handwerk und im allgemeinen Kulturgut schon immer. Nach meiner Erstausbildung als Buchmalerin, suchte ich neben dem manuellen Kontakt ebenfalls die kulturhistorische Auseinandersetzung mit Materialien. Was mir in der Konservierung und Restaurierung besonders gefällt, ist die materialtechnologische Studie von Objekten. Kunstwerke und Alltagsgegenstände haben einen Lebenszyklus: Die Materialauswahl, der Herstellungsprozess und die Spuren durch Verwendung, Ausstellung, Transport und Lagerung. Dieser objektspezifische Lebenslauf wird durch Quellenforschung, aber auch Experteninterviews oder Künstlergespräche in einen breiteren Kontext gebracht. Diese tiefgründige Auseinandersetzung mit Werken, ihrer Produktionsgeschichte und der künstlerischen Intention finde ich einfach unglaublich aufregend. Mein Herz schlägt für zeitgenössische Kunst, weshalb ich mich im Studium für die Vertiefung Moderne Materialien und Medien entschieden habe.

Was hat die Gesellschaft von der Erhaltung von Objekten?

Alle Objekte reflektieren die Welt und geben uns eine wertvolle Einsicht in die Gesellschaft. Sie erzählen Geschichten der Menschen jener Zeit, egal ob Industrieprodukt oder Kunstwerk. Neben der rein ästhetischen Form und der inhaltlichen Bedeutung, bieten uns die Auswahl und Gestaltung der eingesetzten Materialien einen Einblick in den Zeitgeist eines Objektes. Die Technologie verändert sich pausenlos und die Materialien entwickeln sich immer weiter. Bald wird kaum noch jemand den Bedeutungswandel von gewissen Kunststoffmaterialien nachvollziehen oder sich an die ersten Mobiltelefone und deren revolutionären Eigenschaften erinnern können. Es ist deshalb umso wichtiger, die markanten Werke und die ikonischen Designstücke unserer Zeit zu erhalten.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Studium aus?

Im Vergleich zu anderen Studiengängen an der HKB ist der Stundenplan in der Konservierung und Restaurierung recht dicht gepackt. Montag steht bei mir im Master für das Selbststudium zur Verfügung, dafür gilt Dienstag bis Freitag Anwesenheitspflicht, im Durchschnitt ab 9 bis 17 Uhr. Ein Teil der Recherchearbeit muss im Selbststudium oder während der vorlesungsfreien Zeit erledigt werden, aber die Mehrheit der Aufgaben lassen sich im Rahmen der Präsenzzeit eigentlich gut bewältigen.

Wie ist der Studiengang strukturiert?

Die Lehrveranstaltungen sind im Grundstudium und im Spezialisierungsstudium (sprich im letzten Bachelorjahr und im Master) etwas unterschiedlich strukturiert, aber grundsätzlich gibt es einerseits den theoretischen Unterricht und andererseits die praktische Anwendung im Atelier. Ein typischer Ateliertag beinhaltet viel Literaturrecherche, aber auch Tests und Versuchsreihen, sowie Diskussionen mit Mitstudierenden und Dozierenden. Die praktische Umsetzung von Konzepten gehört ebenfalls dazu.
Materialtechnische Fragen können im kunsttechnologischen Labor der HKB geklärt werden. In der vorlesungsfreien Zeit werden externe Praktika durchgeführt, welche die Praxiserfahrung im Atelier ergänzen. In höheren Semestern ist es möglich, externe Atelierpraxis anrechnen zu lassen.
Ich pflege einen regen Austausch mit anderen Studierenden und Fachkollegen, da wir viel mit ethischen Überlegungen beschäftigt sind oder mit technischen Fragestellungen zu kämpfen haben. Im Masterstudium gibt es jedes Semester ein Wochenmodul, an dem Studierende aller Spezialisierungen fachübergreifend teilnehmen.

Wie bestreiten Sie den Lebensunterhalt?

Im Bachelorstudium hat mich meine Familie unterstützt. Im Master führe ich das Studium in Teilzeit weiter und arbeite daneben, um die Kosten mitzutragen: Zuerst habe ich 50 Prozent als Badeaufsicht und Seifenbürstemasseuse in einem Wellnessbad gearbeitet, später 40 Prozent als studentische Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum für audiovisuelle Medien des Staatsarchivs Zürich. Dort habe ich mich neben der digitalen Reproduktion von Archivalien mit der Konservierung der analogen Filmsammlung beschäftigt. Heute bin ich in der Restaurierungsabteilung des Kunsthauses Zürich beschäftigt. Meine Hauptaufgabe hier ist die digitale Archivierung der Videosammlung.

Was sind Ihre Wünsche für Ihre berufliche Zukunft?

Wenn ich mir die ideale Arbeitsaufteilung wünschen könnte, würde ich gerne eine Festanstellung an einer Institution mit Aufträgen als selbständige Restauratorin kombinieren. Ohne ein sicheres Einkommen stelle ich es mir eher schwierig vor, selbstständig zu arbeiten. Ein Teilzeitpensum ist auch realistischer, weil Vollzeitstellen bei den Schweizer Museen eher rar sind. Mit ein paar Studienkollegen aus verschiedenen Spezialisierungen haben wir vor, ein gemeinsames Restaurierungsatelier zu gründen. Letztes Jahr konnten wir zu diesem Zweck das fantastische Atelier eines ehemaligen Architekturrestaurators übernehmen.

Was würden Sie Studieninteressierten raten?

Der wichtigste Ratschlag an junge Interessierte ist simpel: Holt euch so viel Praxis wie nur möglich. Damit meine ich nicht nur Praktika, sondern Arbeitserfahrung: In der Konservierung-Restaurierung, im Art Handling oder in der Museumstechnik, bei Galerien oder in Auktionshäusern, als Aufsicht oder Vermittlungsperson.
Konservierung-Restaurierung bedeutet ein langes Studium mit viel Präsenzpflicht. Die Mehrheit der notwendigen Praktika ist leider unbezahlt. Im Durchschnitt investieren wir sechs bis sieben Jahre in unsere Ausbildung, werden aber später nicht unbedingt entsprechend verdienen. Eine hohe Motivation und Leidenschaft für den Beruf sind darum essentiell. Dafür bleibt unsere Arbeit ein Leben lang spannend und erfüllend!



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