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Bauingenieurwissenschaften: Berufsmöglichkeiten

Porträts von Berufsleuten mit Abschluss in Bauingenieurwissenschaften

Bauingenieurwissenschaften

Bauingenieur in der Versicherung

Symbolbild Bauingenieurwissenschaften
Symbolbild Bauingenieurwissenschaften, © Bild von Bruno Glätsch auf Pixabay
Bauingenieur

«Als Bauingenieur berate ich den Schadenaussendienst der Versicherung in bautechnischen Belangen, also Juristinnen und Juristen sowie Sachbearbeitende, die in der Schadenerledigung Lösungen finden müssen.»

Laufbahn
Bauingenieur bei einer Versicherung
Chef des Bauamtes einer Gemeinde
Arbeit in einem Bauunternehmen
Studium der Bauingenieurwissenschaften
Jetzige Tätigkeit

Wir versichern Bauten bis zur Fertigstellung und Übergabe gegen alle Schäden in Ergänzung zur kantonalen Gebäudeversicherung. Schäden können in die Millionen gehen. In Verhandlungen ist eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden.
Ich arbeite oft mehr als 42 Stunden in der Woche. Neben Büroarbeit und Aktenstudium bespreche ich die Sachverhalte mit Juristinnen und Juristen. Dazu nehme ich an Schadensitzungen teil, berate Regionaldirektionen, beurteile Risse in Hauswänden nach Strassenbauarbeiten oder prüfe einen Betriebshaftpflichtfall bei einem Sanitärunternehmen.
In unserer Firma arbeiten auch Maschinen- und Elektroingenieurinnen oder -ingenieure, Geologinnen und Geologen, Chemikerinnen und Chemiker sowie Physikerinnen und Physiker. Alle diese Funktionen sind in der Dienstleistungsstelle Risk Management zusammengefasst.

Berufseinstieg

Nach meinem Studium des Bauingenieurwesens arbeitete ich zunächst in einem Bauunternehmen und danach in einem Bauamt einer Gemeinde. Heute bin ich für eine grosse Versicherung tätig.

Tipps

Regelmässig besuche ich die verschiedenen Regionaldirektionen der Versicherung. Dort kommen Sachbearbeitende und Stabjuristinnen und -juristen mit ihren Bauproblemen zu mir. Das ist eine intensive und abwechslungsreiche Tätigkeit. Ich muss mich rasch in Probleme hineindenken und einlesen können.
Für solche Tätigkeiten ist es notwendig, dass das Know-how immer auf dem aktuellen Stand der Technik ist. Man muss die neusten Baunormen kennen und sich mittels Fachpublikationen auf dem Laufenden halten. Eigentlich bin ich einer, der ständig aus den Fehlern der anderen lernt.

Bauingenieur mit eigenem Planungs- und Ingenieurbüro

Symbolbild Bauingenieurwissenschaften
Symbolbild Bauingenieurwissenschaften, © Bild von annca auf Pixabay
Bauingenieur

«Bauingenieurinnen und Bauingenieure bearbeiten ein wichtiges Feld: Wir sind gefragte Problemlöser/innen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung unserer Umwelt.»

Laufbahn
Übernahme eines Ingenieurbüros
Nachdiplomstudium in marktorientierter Unternehmensführung
Projektingenieur und späterer Projektleiter bei einer Ingenieurunternehmung für Umwelttechnik
Studium der Bauingenieurwissenschaften am Interkantonalen Technikum Rapperswil (heute Hochschule für Technik Rapperswil)
Lehre als Tiefbauzeichner und Matura auf dem zweiten Bildungsweg
Jetzige Tätigkeit

Nach einer Anstellung als Projektingenieur und Projektleiter bei einer Ingenieurunternehmung für Umwelttechnik habe ich heute mein eigenes Planungs- und Ingenieurbüro. Dort arbeiten mit mir zwei Ingenieure und eine Teilzeitbuchhalterin. Da wir ein sehr kleines Team sind, gestalten sich die Arbeitstage sehr abwechslungsreich und sind manchmal auch lang.

Im Büro habe ich die Verantwortung für alles: Auftragsbeschaffung, Projektabwicklung und Abrechnung. Mein Arbeitsumfeld umfasst Projekte im Tiefbau, Siedlungswasserbau, Stahlbetonbau, Beratung der Bauherrschaft und Baukontrollwesen. Dank einer guten Ausrüstung mit Informatikhilfsmitteln habe ich die Routinearbeit gut im Griff.

Berufseinstieg

Nachdem ich eine Lehre als Tiefbauzeichner absolviert hatte, merkte ich, dass ich selbst Entscheidungen fällen und Verantwortung übernehmen möchte. Deshalb entschloss ich mich, die Matura nachzuholen. Ich begann ein Bauingenieurstudium an der ETH Zürich, was mir allerdings nach kurzer Zeit als zu theoretisch erschien. Also wechselte ich an das Interkantonale Technikum Rapperswil (heute Hochschule für Technik Rapperswil), welches mir eine praxisbezogene Ausbildung ermöglichte.

Tipps

Es ist ein Unterschied, ob ich in einem kleinen oder grossen Betrieb arbeite. In unserem Kleinbetrieb haben die Aufträge im Gegensatz zu einem Grossbetrieb einen geringeren Umfang. Die Möglichkeit, alles zu überblicken und sich auch um Details kümmern zu können, bringt mir eine grosse Befriedigung. Auch sind die Projekte bei uns auf einen geografisch kleinen Raum beschränkt, so dass keine weiten Reisen erforderlich sind.

Dr. Sara Montani: Bauingenieurin ETH

Dr. Sara Montani
Dr. Sara Montani
Expertin Geotechnik

«Weitergeben von gemachten Erfahrungen aus der doch teils sehr intuitiven Welt der Geotechnik macht mir Freude.»

Laufbahn
JahrTätigkeit
Seit 2018 bis heuteExpertin Geotechnik bei Emch+Berger AG Bern und Dozentin an Fachhochschule Burgdorf und Gewerbeschule Bern
1998 - 2018Von der Sachbearbeiterin zur Projekt- und schliesslich Niederlassungsleiterin Fachbereich Geotechnik und Naturgefahren bei Geotechnisches Institut AG
1994 - 1998Assistentin beim Labor für Boden- und Felsmechanik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Lausanne
Bis 1994Bauingenieurwesen an der ETH Lausanne
Jetzige Tätigkeit

Mein Tagesablauf umfasst Arbeiten im Büro und im Freien. Meistens werden die Arbeiten in Teams von mehreren Personen abgewickelt. Ich stehe diesem Team meistens beratend, aber auch umsetzend zur Seite.

Meine eigenen Projekte betreue ich von der Offertphase bis hin zur Ausführung. Meistens handelt es sich dabei um Gutachten und Expertisen.

Der Kontakt zur Baustelle und den täglichen Problemen darf allerdings nicht verloren gehen. So plane ich immer wieder einen Kontakttag ein, an welchem ich mich mit den Sorgen vor Ort auseinandersetzen kann.

Nach einer intensiven Phase als Projekt- und Niederlassungsleiterin setze ich mich heute vermehrt für die Weitergabe meines Wissens ein und habe diverse Pensen für Schulungen übernommen. Parallel dazu bilde ich mich im Bereich der Didaktik weiter.

Berufseinstieg

Das Thema meiner Doktorarbeit war im Bereich der Geotechnik angesiedelt. Ich befasste mich mit der Natur, speziell mit den Auswirkungen von Steinschlag.
Das Thema beeinflusste meinen weiteren beruflichen Werdegang stark. Die Auseinandersetzung mit dem Boden, der Interaktion zu Tragstrukturen und die Vielfältigkeit der Problemstellungen bewogen mich, den im Gebiet der Geotechnik eingeschlagenen beruflichen Weg weiter zu verfolgen. So fand ich meine erste Anstellung in einem Geologie-Geotechnik-Büro.

Tipps

Oft wird in einem konkreten Fall nicht nur die rein geotechnische Seite eines Problems behandelt. Die Kundinnen und Kunden erwarten heute eine umfassendere Betrachtung, welche beispielsweise Aussagen zu Umweltaspekten beinhalten. Auch Grundwissen in juristischen Fragen wird wichtiger und wir Ingenieurinnen und Ingenieure sind immer wieder neu gefordert.

Weniger als 100 Prozent zu arbeiten, lässt sich mit der übernommenen Verantwortung zwar vereinbaren. Die hohe Erwartung bezüglich Verfügbarkeit muss allerdings thematisiert werden. Für eine gute Arbeitshygiene braucht es auch mal Pausen, in denen man «regeneriert» und neue Ideen zu Arbeitsabläufen, Kundinnen- und Kundensegmenten, Teamplanung usw. entstehen. Diese Auszeiten sind wichtig und werden von mir auch entsprechend im Arbeitsalltag eingeplant.

Jürg Portner: Bauingenieur im Bereich Tunnelbau

Symbolbild Bauingenieurwissenschaften
Symbolbild Bauingenieurwissenschaften,  © Bild von Maike und Björn Bröskamp auf Pixabay
Bauingenieur

«Meine Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich, und wir begegnen selten Standardsituationen sondern lösen vielmehr die individuellen Wünsche und Problemstellungen unserer Kunden.»

JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
JahrTätigkeit
Jetzige Tätigkeit

16 Jahre nach dem Diplomabschluss an der ETH Zürich bin ich Projektleiter bei einem der grösseren Ingenieurbüros der Schweiz. Ich bin im Geschäftsbereich Infrastruktur- und Verkehrsbau angestellt, wo ich mich von der Ideenphase bis hin zur Ausführung von Projekten beschäftige.Bis ein Tunnel, eine Bahnlinie oder ein Bauwerk genutzt werden kann, haben mein Team und ich viele Phasen zu durchlaufen und Aufgaben zu lösen. Meine Funktion als Projektleiter bedeutet, dass ich technisch, vertraglich, organisatorisch und auch kaufmännisch-finanziell verantwortlich bin für die mir zugeteilten Projekte. Die Zusammenarbeit mit der öffentlichen oder privaten Bauherrschaft, mit Behörden, Geologen, Partnerbüros, ausführenden Unternehmungen und manchmal auch direkt mit der Bevölkerung macht meine Arbeit vielseitig und auch anspruchsvoll.

Meine Kolleginnen, Kollegen und ich sind in allen Projektphasen und in verschiedenen Funktionen eingebunden; beginnend mit Bauwerksideen und Machbarkeitsstudien, über die Phasen Vorprojekt, Bau- und Ausführungsprojekte bis hin zur Begleitung der Ausführung als technischer Bauleiter und Überführung des Bauwerkes im Zuge des Inbetriebnahmeprozesses. Neben dem notwendigen Fachwissen ist dabei das konstruktiv-ingenieurmässige und planerische Denken stark im Vordergrund, um die anstehenden Fragestellungen oder Probleme zu behandeln.

Berufseinstieg

[nicht definitiver Text]Ein Grossprojekte hat mich in den letzten Jahren beschäftigt: Als Projektleiter des Generalplaners Bahntechnik war ich verantwortlich für die gesamte bahntechnische Tunnelausrüstung des Weinbergtunnels. Die Umsetzung war eine spannende Herausforderung. Schliesslich konnte die Durchmesserlinie Zürich Mitte Juni 2014 erfolgreich in Betrieb genommen und den Bahnkunden übergeben werden. Derzeit bin ich grossmehrheitlich mit der Planung der Instandsetzung der ersten und zweiten Röhre des Gubristtunnels beschäftigt. Das sehr hohe und stetig steigende Verkehrsaufkommen mit täglichen Staustunden hinterlässt seine Spuren am rund 30-jährigen Tunnelbauwerk. Eine umfassende Sanierung ist erforderlich; Bauteile für die Erschliessung, Sicherheit und die Entwässerung müssen den heutigen Anforderungen entsprechend angepasst oder neu erstellt werden. Zusätzlich muss die gesamte elektromechanische Tunnelausrüstung ersetzt und auf den heutigen Stand der Technik gebracht werden. Täglich muss ich zwischen den Beteiligten koordinieren und den notwendigen Informationsfluss lenken. Intern gilt es die notwendigen personellen Ressourcen (Ingenieure, CAD-Zeichner) frühzeitig einzuplanen und den Projektmitarbeitenden die Arbeiten zu übergeben.

Tipps

[nicht definitiver Text]Ich übernehme selber auch gerne Sachbearbeitungsaufgaben. Dazu gehören das konstruktive Entwerfen und Schreiben von technischen Berichten, Berechnungen zur Statik und zum Nachweis der Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit, die Bauverfahrensplanung und viele Aufgaben mehr. Meine Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich, und wir begegnen selten Standardsituationen sondern lösen vielmehr die individuellen Wünsche und Problemstellungen unserer Kunden. Das alles trägt dazu bei, dass ich täglich mit viel Freude bei der Arbeit bin.

Bauingenieurin im Bereich Tunnelbau

Symbolbild Bauingenieurwissenschaften
Symbolbild Bauingenieurwissenschaften,  © Bild von Maike und Björn Bröskamp auf Pixabay
Bauingenieurin FH

«Was mich am Bauingenieurwesen fasziniert, ist, dass man sieht, was man gemacht hat.»

Laufbahn
Tätigkeit
Bauführerin und Leiterin des technischen Büros auf der Baustelle eines Nationalstrassenprojekts
Schichtbauleiterin im Tunnelbaumaschinen-Vortrieb
Bauleiterin Innenausbau im Tunnelbau
Studium Bauingenieurwesen an der Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur
Jetzige Tätigkeit

Ich arbeite als Bauführerin und Leiterin des technischen Büros auf einer Baustelle. Meine Arbeitstage beginnen mit einem Morgenrundgang im Stollen. Wenn etwas nicht klappt, bin ich dafür verantwortlich, dass die Arbeiten schnell wieder in Gang kommen. In diesem Tunnel arbeiten wir – im Gegensatz zum Gotthard-Basistunnel – nicht mit Tunnelbohrmaschinen. Die beiden Röhren werden im Sprengverfahren ausgebrochen. Die Mineure arbeiten an fünf Tagen pro Woche in zwei Schichten von je 8½ Stunden.

Tunnelbau ist trotz vieler Vorsichtsmassnahmen ein gefährliches Umfeld. Ich habe schon mehrmals erlebt, wie unversehens Felsmassen losbrachen. Zum Glück waren nie Arbeiter/innen betroffen. Doch Angst darf ich als Tunnelbauerin nicht haben, sonst kann man dort nicht arbeiten.

Berufseinstieg

Ursprünglich wollte ich nach der Maturität in Zürich an der Eidgenössischen Technischen Universität Erdwissenschaften studieren. Die Zusammensetzung des Studienplans mit der ungeliebten Chemie war mir aber ein Gräuel. So entschloss ich mich – auf Rat des Berufsberaters – zu einem Bauingenieur-Studium an der Züricher Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur.

In meinem Jahrgang waren über 30 Männer eingeschrieben, aber nur vier Frauen. Dieses Umfeld kommt mir bei meiner Berufstätigkeit nun zugute. Frisch von der Hochschule, stellte mich eine Tessiner Firma als Bauleiterin an.

Tipps

Ich kam auf die Tessiner Baustelle – natürlich als einzige Frau im Tunnel. Wie sollte ich Mineuren mit über 20 Jahren Berufserfahrung vorschreiben, was zu tun sei? Danach arbeitete ich als Schichtbauleiterin auf einer Baustelle. Auch dort war ich die einzige Frau.

Weil die Schicht so früh begann, musste ich etwa zehn Nächte pro Monat auf der Baustelle schlafen. Das Barackenleben war einfach. Dusche und WC befanden sich auf dem Korridor. Die Kantine diente als Aufenthaltsraum. Als Frau in dieser Tunnelbauwelt hat man es nicht leicht. Man darf die Sprüche nicht persönlich nehmen und muss manchmal Grenzen setzen.



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