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Laufbahnbeispiele: Rechtswissenschaft

Hochschulabsolventinnen und -absolventen berichten aus ihrem Berufsalltag. Was sind ihre aktuellen Aufgaben? Welche Tipps geben sie für den Berufseinstieg?

Bezirksrichter

Der Porträtierte arbeitet seit dem Erwerb des Anwaltspatents am gleichen Bezirksgericht, an dem er bereits nach dem Studium als Auditor angefangen hat.

"Eine Gerichtskarriere lässt sich nicht wirklich planen, es braucht das richtige Timing."

Bild von succo auf Pixabay
© succo auf Pixabay
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Laufbahn

Alter/JahrTätigkeit/Ausbildung
25Lizenziat in Rechtswissenschaft: Universität Zürich
25Auditor: Bezirksgericht Zürich
26Gerichtsschreiber: Bezirksgericht Zürich
29Erwerb des Zürcherischen Anwaltspatents, Zürich
29Leitender Gerichtsschreiber Mietgericht: Bezirksgericht Zürich
32Vollamtlicher Ersatzrichter: Bezirksgericht Zürich
35Leitender Gerichtsschreiber, Mitglied Gerichtsleitung: Bezirksgericht Zürich
37Vollamtlicher Bezirksrichter: Bezirksgericht Zürich

Wie sieht Ihre aktuelle Tätigkeit aus?

Ich arbeite als Bezirksrichter an einem erstinstanzlichen Gericht, wobei der Schwerpunkt aktuell auf dem Familienrecht liegt. Bei Scheidungs- und Eheschutzbegehren geht es vor allem darum, den Fall vorzubereiten und danach an Verhandlungen eine Lösung mit den Parteien anzustreben. Kann keine Vereinbarung getroffen werden, wird ein Urteil gefällt und meistens auch gleich begründet.

Ich schätze an meinem Job die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Leuten und die Klärung von immer wieder neuen rechtlichen Fragen. Die Mischung von rechtlicher Begründung und Vergleichsgesprächen finde ich ideal, sie macht meinen Alltag äusserst abwechslungsreich.

«Unabhängig davon, ob die Wahl später einmal auf die Arbeit in einer Kanzlei oder an einem Gericht fällt, empfehle ich, beide Orte anzusehen.»

Wie verlief Ihr Berufseinstieg?

Wer das Anwaltspatent erwerben möchte, wird entweder als Substitutin in einer Kanzlei oder als Auditor an einem Bezirksgericht starten. Ich habe letzteren Weg gewählt, weil mir die Arbeitsweise an einem Gericht mehr zusagt. Ich schätze es, beide Seiten anhören und dann entscheiden zu können.

Ursprünglich hatte ich vor, nach dem «Audi-Jahr» noch ein Jahr in einer Kanzlei zu arbeiten. Doch ich bin am Gericht geblieben und es wurde, obwohl nie wirklich geplant, eine klassische Gerichtskarriere daraus.

Bereut habe ich dies bis heute nie, der Job gefällt mir nach wie vor unglaublich gut. Ich schätze die Vielfalt und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Mitarbeitenden und Parteien.

Welche Tipps geben Sie Studierenden?

Unabhängig davon, ob die Wahl später einmal auf die Arbeit in einer Kanzlei oder an einem Gericht fällt, empfehle ich, beide Orte anzusehen. An den Bezirksgerichten besteht häufig die Möglichkeit, als Gerichtschreiber unbezahlten Urlaub für die Vorbereitung der Anwaltsprüfung zu beziehen. Daher lohnt es sich vielleicht, zuerst ein „Substi-Jahr“ zu absolvieren und erst dann ans Gericht zu wechseln.

Der grosse Vorteil des Gerichts, vor allem eines grösseren, ist die Vernetzung unter gleichaltrigen Fachleuten. Eine Gerichtskarriere lässt sich aber nicht wirklich planen. Daher lohnt es sich, einen Plan B in der Tasche zu haben, falls der Weg am Gericht nicht so verläuft, wie man sich das vorstellt.

Anwältin in einer spezialisierten Kanzlei

Die Porträtierte hat sich auf Ausländer/innenrecht, Familien- und Arbeitsrecht spezialisiert. Sie arbeitet in einer Anwaltskanzlei.

"Ich habe Kontakt mit vielen Menschen und erhalte Einblicke in ihr Leben."

Symbolbild Gerechtigkeit
© Sang Hyung Cho auf Pixabay


Laufbahn

Tätigkeit/Ausbildung
Studium der Rechtswissenschaften in Zürich
Erwerb des Anwaltspatents
Anstellung bei einer Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende
Arbeit beim Rechtsdienst eines Hilfswerkes
Eintritt als Angestellte in eine Anwaltskanzlei
Aufstieg zur Geschäftspartnerin

Wie sieht Ihre aktuelle Tätigkeit aus?

Ich führe gemeinsam mit fünf anderen Personen eine Anwaltskanzlei die auf Ausländer/innen-, Familien- und Arbeitsrecht spezialisiert ist. Mein Arbeitstag besteht aus Gerichtsverhandlungen, Gesprächen mit Klientinnen und Klienten, Briefe schreiben, Klageschriften abfassen, Behörden, Anwältinnen und Anwälte kontaktieren, Rechtsfragen in der Bibliothek abklären und Büroadministration erledigen.

«An meiner Arbeit als Anwältin schätze ich es, dass die Resultate meiner Bemühungen sichtbar sind. Die Freude über einen gewonnenen Prozess wirkt motivierend.»

Ich habe mich auf verschiedene Gebiete spezialisiert, übernehme aber vor allem Fälle der Gebiete Ausländer/innenrecht, Familienrecht, Sozialversicherungsrecht, Arbeitsrecht und vertrete Opfer sexueller Gewalt. Ich habe Kontakt mit vielen Menschen und erhalte Einblicke in ihr Leben. Diese Leute stecken in belastenden Lebenssituationen. Oft gehen ihre Erwartungen an mich über juristische Belange hinaus und können leider nicht erfüllt werden.

Wie ist der Berufseinstieg verlaufen?

Nach einem Studium der Rechtswissenschaften in Zürich absolvierte ich Praktika in einem Anwaltsbüro und bei einem Gericht. Mit dem Erwerb des Anwaltspatents wurde ich für eine Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende und beim Rechtsdienst eines Hilfswerks tätig.

Welche Tipps geben Sie Studierenden?

Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind unumgänglich. Ich kann meine Arbeit zwar selbstständig gestalten, aber Gerichtstermine, Rechtsmittelfristen und Anliegen der Klientinnen und Klienten, die ein sofortiges Handeln erfordern, diktieren Arbeitsanfall und Abläufe. Keine Frist darf verpasst werden. Obwohl ich Gelegenheit habe, mich mit meinen Bürokolleginnen und -kollegen auszutauschen, bin ich letztlich selbst für den Ausgang eines Gerichtsverfahrens verantwortlich.

Projektleiter

Christian Maduz hat sich nach dem Masterabschluss in Rechtswissenschaft vor allem mit arbeitsrechtlichen Fragen befasst. Er arbeitet für einen Arbeitgeberverband.

"Gerade für Juristen ist es schwer, sich von der breiten Masse abzuheben."

Christian Maduz
© Christian Maduz (2.v.l.)

Laufbahn

JahrTätigkeit/Ausbildung
2008Matur mit Schwerpunkt «Wirtschaft und Recht», Kantonsschule Sargans, St. Gallen
2010Assistent, Lehrstuhl für Römisches Recht und Privatrecht, Universität Zürich
2011Juristischer Mitarbeiter, Anwaltskanzlei mit arbeitsrechtlicher Ausrichtung
2014Master of Law, Universität Zürich
2014 bis heuteProjektleiter Direktion, Schweizerischer Arbeitgeberverband
2018CAS Arbeitsrecht, Universität Zürich (Fachanwaltskurs)
2018 bis heuteLehrbeauftragter für Privatrecht, Kalaidos Law School

Wie sieht Ihre aktuelle Tätigkeit aus?

Aktuell arbeite ich als Projektleiter Direktion beim Schweizerischen Arbeitgeberverband. Dieser befasst sich als Dachverband von Branchen- und Regionalverbänden insbesondere mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen in den Bereichen Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht, Sozialpolitik und Sozialversicherungsrecht sowie in der Bildungspolitik, in welchen ich mich übergreifend engagieren darf.

«Über ein gewisses Netzwerk zu verfügen, kann von grossem Vorteil sein. Dies setzt insbesondere Kontakt- und Gesprächsbereitschaft voraus.»

Der Verband setzt sich für rechtlich liberale Rahmenbedingungen ein, um einerseits die bürokratischen Hindernisse im Bereich der Arbeitsbeziehungen kleinzuhalten und andererseits die internationale Standortattraktivität für Unternehmen – und damit Arbeitsplätze – zu wahren. Beispielsweise stellte sich für Firmen nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative die Frage, wie sie inskünftig ausreichend Personal rekrutieren können. Hierbei war eine meiner Aufgaben, ein gesamtheitliches Konzept auszuarbeiten, welches einen ausreichenden Zugang zu Arbeitskräften für sämtliche Branchen und Regionen ermöglicht. Anschliessend war es das Ziel, das erstellte Konzept möglichst umfassend in den politischen Prozess, also das Verwaltungs- und Gesetzgebungsverfahren, einzubringen. Politische Prozesse sind meist langwierige Verfahren und benötigen entsprechend Ausdauer und Geduld. Der Reiz dieser Tätigkeit liegt in der Zusammenarbeit mit den Verbandsmitgliedern sowie im Kontakt mit den politischen Akteuren und den Medien.

Interessant sind aber auch die Tätigkeiten in Branchen- und Regionalverbänden, welche zusätzliche Dienstleistungen anbieten, wie Rechtsberatungen und Seminarkurse. Davon profitieren insbesondere auch kleinere Unternehmen ohne Rechtsabteilungen, da die Regelwerke zunehmend komplexer werden. Die Verbände unterstützen also die Firmen, damit sich diese auf ihre unternehmerische Tätigkeit konzentrieren können. Daneben stellen die Arbeitgeberverbände das Gegenstück zu den Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden dar. Zusammen bilden sie die Sozialpartnerschaft, handeln Gesamtarbeitsverträge aus und regeln die Privatwirtschaft. Damit können verschiedene sozialpolitische Missstände direkt durch die betroffenen Sozialpartner gelöst werden, ohne dass ein aufwendiges gesetzgeberisches Verfahren notwendig wird. In diesem Kontext nehmen wir vom Dachverband eine ergänzende Funktion wahr: Erweisen sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für unsere Mitgliederverbände als impraktikabel oder gar als schädlich, ist es unsere Aufgabe, mit der Bundesverwaltung und dem Parlament in Kontakt zu treten, die Probleme darzulegen und mögliche Lösungen zu diskutieren. Beispielsweise sind die Regelungen zu Arbeitszeiten und deren Erfassung auf industrielle Betriebe ausgerichtet. Diese erweisen sich jedoch für andere Branchen oftmals als impraktikabel, weshalb mit unserer Mitwirkung verschiedene branchenspezifische Ausnahmebestimmungen vorgesehen wurden.

Wie verlief der Berufseinstieg?

Gerade für Juristen ist es schwer, sich von der breiten Masse abzuheben. Gute Noten und/oder relevante Berufserfahrungen bereits während der Studienzeit helfen beim Berufseinstieg enorm. Andernfalls können auch Praktika oder Volontariate neue Möglichkeiten eröffnen. Meine Beschäftigung beim Arbeitgeberverband war eine zufällige Fügung. Im Zuge meiner Abschlussarbeit kam ich mit dem Verbandsdirektor in Kontakt. Mein Profil entsprach dabei zufällig seinen Vorstellungen, worauf ich die neue Stelle gar ohne aufwendiges Bewerbungsverfahren erhielt.

Welche Tipps geben Sie Studierenden?

Meine bisherigen juristischen Stellen habe ich ebenfalls meist dank einem persönlichen Kontakt erhalten beziehungsweise vermittelt bekommen. Über ein gewisses Netzwerk zu verfügen, kann somit von grossem Vorteil sein. Dies setzt insbesondere Kontakt- und Gesprächsbereitschaft voraus.

Brokerin

Die Porträtierte hat nach der kaufmännischen Grundbildung und der Berufsmaturität an einer Fachhochschule Wirtschaftsrecht studiert. Heute betreut sie in einer Unternehmensberatung eigenständig Mandate.

"Ich verantworte Projekte für Unternehmens- und Immobilienverkäufe."

Symbolbild Brokerin
© Gerd Altmann auf Pixabay

Laufbahn

Tätigkeit
Lehrabschluss als kaufmännische Angestellte bei der Stadtverwaltung Schaffhausen und Berufsmaturität (berufsbegleitend)
Fallverantwortliche Nachlassregelung Erbschaftsamt Schaffhausen
Studium Wirtschaftsrecht an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW mit Abschluss: Bachelor in Wirtschaftsrecht
Stellvertretende Amtsleiterin und Urkundsperson, stellvertretende Schreiberin der Erbschaftsbehörde Schaffhausen
Brokerin bei einem Mergers & Acquisitions-Unternehmen in Zürich

Wie sieht Ihre aktuelle Tätigkeit aus?

Seit sieben Jahren arbeite ich als Brokerin bei einem Unternehmen in Zürich, das sich auf Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen) für kleinere und mittlere Unternehmen spezialisiert hat. Zu unseren Kerndienstleistungen zählen Unternehmensberatung und Unternehmensbewertung. Auch die Transaktionsberatung beim Kauf und Verkauf kleiner und mittlerer Unternehmen aller Branchen zählen dazu. Eine weitere Dienstleistung sind Immobilientransaktionen.

«Meine Arbeit als Brokerin erfordert umfassendes betriebswirtschaftliches und rechtliches Fachwissen.»

Meine Tätigkeit besteht darin, dass ich mit Mandatsverantwortung Projekte für Unternehmens- und Immobilienverkäufe betreue. Zudem befasse ich mich generell mit juristischen Problemstellungen bei Nachfolgeregelungen und berate Kundinnen und Kunden bei der Strategie- und Businessplanung.

Wie verlief der Berufseinstieg?

Am Anfang meiner Karriere steht eine Lehre: Bei der Stadtverwaltung Schaffhausen liess ich mich zur kaufmännischen Angestellten ausbilden. Berufsbegleitend absolvierte ich die Berufsmaturität. Danach arbeitete ich drei Jahre auf dem Erbschaftsamt Schaffhausen als Fallverantwortliche für die Nachlassregelung. Fünf weitere Jahre war ich als stellvertretende Amtsleiterin und Urkundsperson tätig. Berufsbegleitend studierte ich von 2008 bis 2012 Wirtschaftsrecht an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.

Welche Tipps geben Sie Studierenden?

Während meines Studiums konnte ich stark von meinem juristisch geprägten Umfeld profitieren. Der Grund für das Studium war mein Wunsch, mich weiterentwickeln zu können. Ohne schulische Herausforderung hatte ich mich zu langweilen begonnen. Meine Wahl fiel auf Wirtschaftsrecht an einer Fachhochschule, weil ich ein grosses Interesse an juristischen Fragestellungen hatte und für mich – aus finanziellen Gründen – nur ein Teilzeitstudium in Frage kam.

Bei der Tätigkeit als Brokerin ist sowohl betriebswirtschaftliches als auch rechtliches Fachwissen gefragt, insbesondere in den Bereichen Finanzen, Buchhaltung, Vertragsgestaltung und Steuern. Wichtig sind auch analytische Fähigkeiten, Fingerspitzengefühl, Flexibilität und Verhandlungsgeschick.



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