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Chemie und Biochemie: Laufbahnbeispiele

Porträts von Berufsleuten mit Abschluss in Chemie und Biochemie.

Chemie und Biochemie

Chemieingenieurin in der chemischen Industrie: Chantal Ruppli

Symbolbild Acker
Symbolbild Acker, © Bild von Markus Winkler auf Pixabay
Chemieingenieurin in der Prozessentwicklung

«Zu meinen Aufgaben gehört, kritische Schritte in den Prozessen frühzeitig zu erkennen, neue Lösungsansätze anzubieten und schnell auf Veränderungen zu reagieren.»

Laufbahn
JahrTätigkeit
Seit 2019 bis heuteChemieingenieurin bei Syngenta
2018Projektingenieurin in Basel (10 Monate)
2017Wissenschaftliche Mitarbeiterin ETHZ (4 Monate)
2016 – 2017Master Verfahrenstechnik ETHZ
2011 – 2015Bachelorstudium Chemieingenieurswissenschaften ETHZ
Jetzige Tätigkeit

Als Chemieingenieurin in der Prozessentwicklung für Agrochemikalien fokussiere ich mich auf den Scale-Up von Prozessen. Ich plane Experimente, mache Berechnungen, Simulationen und präsentiere meine Ergebnisse. Dabei bin ich Teil verschiedener interdiszplinärer Projektteams. Meine Aufgabe ist es, kritische Schritte in den Prozessen frühzeitig zu erkennen, neue Lösungsansätze anzubieten und schnell auf Veränderungen zu reagieren. Zudem leite ich ein Technikum und führe einen Mitarbeiter. Neben meiner Managementaufgabe bin ich verantwortlich für die Planung der Arbeit sowie die Sicherheit während der Arbeit in Technikum und Labor. Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Regelmässiger Kontakt mit den Projektteams sowie Besuche im Labor oder Technikum gehören zum normalen Alltag.

Berufseinstieg

Die vier Monate in der Forschung sowie das kurze Schnuppern als Projektingenieurin in Basel haben mich sehr viel darüber gelehrt, was mir in der alltäglichen Arbeit wichtig ist: Ein anspruchsvoller Beruf, bei dem ich immer wieder aufs Neue gefordert bin und mein Gelerntes einsetzten kann. Verantwortung zu übernehmen und selber Entscheidungen zu treffen motiviert mich. So habe ich bei Syngenta eine Stelle gefunden, die nicht nur zu meinem Fachwissen, sondern auch zu meiner Arbeitsweise passt.

Tipps

Neben dem technischen Wissen habe ich während des Studiums gelernt, Herausforderungen mit grosser Ausdauer anzugehen und mich immer wieder auf neue Leute einzulassen. Es lohnt sich, sich bei der Stellensuche nicht einzig auf das gelernte technische Wissen zu fokussieren, sondern auch seine Persönlichkeit und sein Potential aufzuzeigen. Denn Lernfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und eine gute Zusammenarbeit im Team tragen genauso zum Erfolg im Beruf bei. Somit ist es möglich, den Arbeitgeber auch ohne lange Berufserfahrung zu überzeugen.

Chemiker FH als wissenschaftlicher Assistent an der ZHAW: Nicola Lüdi

Nicola Lüdi, © Nicola Lüdi
Nicola Lüdi, © Nicola Lüdi
Wissenschaftlicher Assistent im Bereich Materialwissenschaften/Nanotechnologie:

«Bei einer Tätigkeit in der Forschung ist es hilfreich, auch Fehlschläge als wertvolle Erkenntnisse zu betrachten.»

Laufbahn
JahrTätigkeit
Seit 2019 bis heuteWissenschaftlicher Assistent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in der Fachgruppe für Funktionsmaterialien und Nanotechnologie
2016-2019Bachelorstudium in Chemie mit Vertiefungsrichtung Biochemie an der ZHAW in Wädenswil
Jetzige Tätigkeit

Als Wissenschaftlicher Assistent an der ZHAW bin ich in ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer neuen Generation von Biosicherheits-Anzügen involviert. Meine Hauptaufgabe ist die Produktion der Filtermaterialien, welche schlussendlich in die Anzüge eingebaut werden. Da diese Filtermaterialien erst in den letzten Jahren entdeckt wurden, gibt es noch keine etablierten Protokolle für deren Produktion und entsprechend besteht ein Teil meiner Arbeit im Durchforsten der dazu publizierten Fachliteratur. Auf dieser Basis entwickle und teste ich dann mögliche Produktionsverfahren.

Die erhaltenen Filter werden durch weitere ins Projekt involvierte Fachstellen geprüft und in die Anzüge eingebaut. Der Job erfordert also auch Kommunikationsfähigkeiten, um die eigene Arbeit mit den anderen Projektpartnern zu koordinieren. Besonders geniesse ich, dass ich nach erfolgter Planungsarbeit auch gleich selber im Labor tätig werden darf, was für eine gute Abwechslung sorgt.

Berufseinstieg

Ich hatte das grosse Glück, dass ich direkt nach dem Studium bei der Fachgruppe arbeiten durfte, in der ich zuvor meine Bachelorarbeit geschrieben hatte. Nach meiner Erfahrung ist ein gutes Netzwerk an Bekanntschaften innerhalb der akademischen Gesellschaft eine grosse Hilfe, wenn man später in der Forschung tätig sein möchte. Es lohnt sich auf jeden Fall, während des Studims einen guten Eindruck bei den Dozierenden, welche gleichzeitig Fachgruppenleiter sind, zu hinterlassen. Ich bin nicht der Einzige, der den Berufseinstieg über das Netzwerk eines Dozierenden geschafft hat!

Tipps

Nebst dem erwähnten Aufbau von Kontakten ist es wichtig, nicht nur gute theoretische Fähigkeiten mitzubringen, sondern auch das praktische „Know-how“ und den Drang, Ideen in die Tat umzusetzen. Und schliesslich ist es sowohl für den Arbeitsfortschritt als auch für das mentale Wohlbefinden hilfreich, auch Fehlschläge als wertvolle Erkenntnisse zu betrachten und diese genau zu dokumentieren, damit künftige Forscher nicht dieselben Fehler machen müssen.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesamt für Verkehr: Annina Gaschen

Annina Gaschen, © Annina Gaschen
Annina Gaschen, © Annina Gaschen
Chemikerin im Bereich der Störfallvorsorge und Gefahrengut:

«Gib in jedem Job dein Bestes! Eine positive Lebenseinstellung, Zuverlässigkeit und geistige Flexibilität sind wichtig.»

Laufbahn
JahrTätigkeit
Seit 2014 bis heuteWissenschaftliche Mitarbeiterin Störfallvorsorge und Gefahrguttransport Eisenbahn, Bundesamt für Verkehr BAV
2008 – 2014Praktikum in einem Start-up im Bereich CO2-Management, anschliessend Projektleiterin Fachbereich Gefahrgut/Gefahrstoffe, Neosys AG (Ingenieurbüro)
2008 – 2011Lehrdiplom Sekundarstufe 2 (Chemie), Pädagogische Hochschule Bern
2002 – 2008Doktorat in analytischer Umweltchemie an der Universität Bern, anschliessend Post-docs am Paul Scherrer Institut, an der ETH Zürich und an der Universität Bern, Gastaufenthalte an einem Forschungsinstitut in Wellington NZ
1997 – 2001Studium Chemie und Biochemie, Universität Bern
Jetzige Tätigkeit

Ich arbeite 80% als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesamt für Verkehr. Meine drei Kollegen und ich setzen uns mit den Risiken aus dem Bahntransport von Chemikalien auseinander. Konkret geht es um die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls eines Güterzuges und die Schäden an Bevölkerung und Umwelt: auslaufende Chemikalien können einen Brand oder eine Explosion verursachen, sind giftig oder schädlich für Gewässer.

Zu meinen Hauptaufgaben gehört die Entwicklung der Methodik für die Berechnung des Risikos und die Prüfung von Massnahmen, mit denen man das Risiko zu reduzieren versucht. Ich habe Kontakt zu Fachexperten bei den Eisenbahnen, zu anderen Bundesämtern und zu Ingenieurbüros im In- und Ausland. Zu meinen Aufgaben gehört auch die Inspektion von Güterwagen, die Chemikalien transportieren (siehe Foto).

Berufseinstieg

Das Studium war sehr strukturiert, intensiv und dauerte nur 4 Jahre, wie in den Naturwissenschaften üblich. Weil mir die Arbeit in der Forschung gefallen hat, machte ich anschliessend das Doktorat und Post-docs an verschiedenen Schweizer Hochschulen und Universitäten. Zu diesen Stellen kam ich nicht über eine Bewerbung, sondern über Kontakte.

Da unbefristete Stellen an Universitäten rar sind, machte ich das Lehrdiplom in Chemie, um meine Chancen auf eine feste Anstellung zu erhöhen. Während eines Praktikums lernte ich den Chef eines Ingenieurbüros kennen, der auf der Suche nach einer Chemikerin war, die Erfahrung in der Lehrtätigkeit hatte. Zu meiner jetzigen Stelle kam ich über ein Stellenangebot und dank meiner Erfahrung in diesem sehr spezifischen Fachbereich der Störfallvorsorge.

Tipps

Gib in jedem Job immer dein Bestes! Eine gute Arbeitsmoral, eine positive Lebenseinstellung und geistige Flexibilität sind genauso wichtig wie eine solide fachliche Ausbildung. So gelingt auch der Berufseinstieg besser. Arbeite hart, aber schau dabei gut zu dir (Work-Life-Balance). Wähle dein Studienfach, weil die Materie dich beflügelt, und nicht nur deshalb, weil der spätere Beruf Geld und Karriere verspricht oder die Wünsche deiner Eltern erfüllt.

Senior Chemist Validierungen in einer Pharma-Firma: Michèle Mindach

Symbolbild Experiment, © Pixnio
Symbolbild Experiment, © Pixnio
Chemikerin im Bereich Validierungen

«Wichtig für die Ausübung dieser Tätigkeit sind unter anderem gute Kommunikationsfähigkeiten und das Können, einen guten Überblick über verschiedene Arbeiten zu behalten.»

Laufbahn
JahrTätigkeit
Seit Mai 2020 bis heuteSenior Chemist, im Bereich Validierungen, Carbogen-Amcis AG
September 2019 – Mai 2020Chemist, im Bereich Analytische Entwicklung, Carbogen-Amcis AG
Juni 2017 – August 2019Project Chemist, im Bereich Freigabeanalytik, Bachem AG
September 2011 – Mai 2017Bachelorstudium in Molecular Life Sciences und Masterstudium in Life Sciences, Molecular Technologies an der FHNW
Jetzige Tätigkeit

Zurzeit arbeite ich als Senior Chemist im Bereich Validierungen in einem kundenorientierten, pharmazeutischen Unternehmen. Ich bin für interne Gruppen wie beispielsweise die Qualitätskontrolle oder die analytische Entwicklung sowie für externe Kunden eine Schnittstelle für Projekte, die sich in der Validierungsphase befinden. Meine Tätigkeiten sind projektbasiert. Jedes Projekt hat seine Eigenheiten und Spezialitäten. Wichtig für die Ausübung dieser Tätigkeit sind gute Kommunikationsfähigkeiten und das Können, den Überblick über verschiedene Arbeiten zu behalten.

Mir macht es Spass, Dokumente für die internen Prozesse bereit zu stellen und diverse Anfragen zu bearbeiten. Es ist ausserdem eine verantwortungsvolle Position, da die Projektverantwortung für Projekte in der Validierungsphase bei mir liegt. Da ich noch nicht so lange in dieser Tätigkeit zuständig bin, werden für die Zukunft auch Aufgaben wie die Betreuung von Kunden bei Audits oder die Teilnahme an Telefonkonferenzen auf meinem Plan stehen.

Berufseinstieg

Meine erste Stelle nach dem Masterstudium war als Projektchemikerin im Bereich der Freigabeanalytik in einem pharmazeutischen Unternehmen. Hier konnte ich viele Erfahrungen im Bereich GMP als auch in der Routineanalytik gewinnen. Meine Hauptanalysetechnik war die Hochleistungsflüssigchromatographie (HPLC), für welche ich Erfahrungen bezüglich Unterhalt und Wartungen von den Geräten sammeln konnte. Regelmässige Auditbesuche wie auch Behördeninspektionen gehörten hier ebenfalls zum Alltag.

Tipps

Für Berufseinsteigende gebe ich den Rat mit, dass die erste Stelle nach dem Studium nicht in jedem Fall gleich passen wird. Es ist wichtig, in der Industrie zuerst einmal Fuss zu fassen und erste, sehr wichtige Erfahrungen zu sammeln. Ausserdem wird einem oft erst im Berufsleben bewusst, welche Tätigkeiten Spass machen und welche vielleicht in Zukunft nicht mehr in Frage kommen.



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