Der Gesundheitsbereich ist eine Wachstumsbranche, die universitären Hochschulabsolventinnen und -absolventen zahlreicher Studienrichtungen Berufsperspektiven bietet. Er setzt sich im Wesentlichen aus medizinischen, naturwissenschaftlich-technischen und ökonomischen Berufsfeldern zusammen.
Patienten und Patientinnen werden in Arztpraxen, Spitälern und Kliniken medizinisch versorgt.
Im industriellen Sektor ist die international tätige Pharmaindustrie zentral. Die Produktion und Vermarktung von Arzneimitteln und die damit verbundene Forschung gehören in der Schweiz zu den Kernbereichen der Gesundheitsbranche. Die Medizintechnikindustrie ist hierzulande eine der zukunftsträchtigsten Branchen.
Bei Versicherungen, in der Verwaltung und bei Organisationen / Verbänden hat sich im Zeitalter der explodierenden Gesundheitskosten die Gesundheitsökonomie fest etabliert.
Patientenversorgung / Gesundheitliche Dienstleistungen
Arztpraxen und Krankenhäuser sind die klassischen Arbeitsorte der Ärztinnen und Ärzte. Laut Erhebungen der Verbindung der Ärztinnen und Ärzte FMH arbeiten zurzeit 52 Prozent der Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Sektor. 46 Prozent sind im stationären Sektor tätig. Nur knappe 2 Prozent gehen einer Tätigkeit in Bereichen wie Versicherungen, Verbände oder Industrie nach.
Die medizinischen Dienstleistungen richten sich sowohl an Kranke als auch an Gesunde. Neben heilend-therapeutischen Interventionen und präventiven Massnahmen werden medizinische Handlungen, die der Optimierung von Gesundheit und Körper dienen, immer wichtiger. Dies trifft auch für die Zahnmedizin zu. Zahnärzte und -ärztinnen nehmen vermehrt ästhetische Korrekturen vor. In der Regel arbeiten sie in Zahnarztpraxen.
Arztpraxen sind entweder auf die Spezial- oder die Allgemeinmedizin ausgerichtet. Als Praxismodelle mit Zukunft gelten Gruppenpraxen und Netzwerke.
Im stationären Bereich arbeiten die meisten Ärzte und Ärztinnen in Krankenhäusern und Spezialkliniken. In sozialmedizinischen Institutionen wie Alters- und Pflegeheimen sind hingegen nur wenige Hochschulabgänger/innen zu finden. Im Dienste der Patienten und Patientinnen stehen zudem - vor allem in psychiatrischen Kliniken - Psychologen in psychotherapeutischen Funktionen. Theologinnen nehmen spitalseelsorgerische Aufgaben wahr. Rehabilitationseinrichtungen beschäftigen zunehmend Bewegungs- und Sportwissenschaftler/innen.
Ein weiterer Ort der Patientenversorgung sind die Apotheken. Pharmazeutinnen und Pharmazeuten sind dort sowohl in leitenden als auch in beraterischen Funktionen tätig.
Medizinische Leistungen sind in der ganzen Welt gefragt. Zahlreiche Ärzte und Ärztinnen stellen ihre professionellen Fähigkeiten - meist temporär - im Rahmen von humanitären Organisationen wie dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), Terre des Hommes oder Médecins sans frontières zur Verfügung.
Pharmazeutische und medizintechnische Produktion
Bei der Produktion von Medikamenten und pharmazeutischen Produkten kann ein wahrer Boom verzeichnet werden. Die Herstellung von medizinischen Geräten weist ebenfalls eine sehr hohe Zuwachsrate auf. Beide Bereiche sind stark exportorientiert. Die Industriebetriebe im Gesundheitsbereich lassen sich in die Bereiche Forschung und Entwicklung, Produktion sowie Marketing und Verkauf einteilen.
Der Pharmabereich umfasst neben der sehr forschungsintensiven Biotechnologie die klassische Pharmaentwicklung, die Herstellung von verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Medikamenten sowie von Produkten für die Körperpflege und Dentalhygiene. Die Schweiz gehört zu den führenden Produzentinnen von Pharmazeutika. Die grössten Schweizer Pharmakonzerne sind Hoffmann-La Roche und Novartis.
Neben Naturwissenschaftlern arbeiten in der Pharmaindustrie auch Pharmazeutinnen und Mediziner/innen. Hochschulabsolventinnen und -absolventen technischer Studiengänge können sich dort nicht nur für Aufgaben in den Bereichen Forschung und Entwicklung bewerben, sondern auch für die Produktion, Logistik, Qualitätskontrolle, Informatik und Engineering.
Die Schweiz ist ein wichtiger Produktionsstandort für Medizintechnik. Die Dichte von Medizintechnikunternehmen ist aussergewöhnlich hoch. Ein starkes Wachstumspotenzial sieht der nationale Medizintechnikverband FASMED unter anderem in den Bereichen Orthopädie, Dentalimplantate, Kardiologie, Augenheilkunde, Heimpflege- und Rehabilitationsausrüstungen sowie Diagnosesysteme.
Forschung und Entwicklung
In der biologisch-medizinischen Forschung (Life Sciences) spielt die Schweiz in der ersten Liga mit. Die Biotechnologie bietet Hochschulabgängerinnen und -abgängern interessante Einstiegschancen. Einen wesentlichen Beitrag zum Forschungsplatz Schweiz leisten pharmazeutische Firmen. Rund 6000 Forscher/innen sind im Bereich der Pharmaforschung beschäftigt und arbeiten an der Entwicklung neuer, besserer und sicherer Medikamente. Zum Teil bestehen Kooperationen zwischen der Industrie und den Hochschulen.
Die klinische Forschung erfolgt an den Universitätskliniken und in Kantonsspitälern. In den letzten Jahren wurden die Bemühungen verstärkt, damit die klinische Forschung mit der hohen Qualität der biomedizinischen Grundlagenforschung Schritt halten kann.
In der Medizintechnik sind die Investitionen in Forschung und Entwicklung überdurchschnittlich hoch. In Europa beschäftigen nur Deutschland und Grossbritannien mehr Arbeitnehmer/innen in dieser Branche.
Öffentliche Verwaltung, Versicherungen, Verbände
Das Gesundheitswesen ist ein zentraler gesellschaftlicher Bereich. Viele Gebiete stehen unter staatlicher Aufsicht. Die Tatsache, dass in der Schweiz Krankenversicherungen obligatorisch sind, verstärkt diese Tendenz. Das Bundesamt für Gesundheit BAG, die kantonalen Gesundheitsämter, die privaten Kranken- und Unfallversicherer, die staatliche Versicherung IV (schweizerische Invalidenversicherung) beschäftigen Gesundheitsökonomen, Juristinnen, Mathematiker und Informatikerinnen. Sozialwissenschaftler/innen arbeiten dort als Statistiker/innen. Ärzte und Ärztinnen bringen ihr Fachwissen als medizinische Gutachter/innen ein. Bei Ökonominnen sind Traineeprogramme, die vor allem von Versicherungen angeboten werden, für den Einstieg in den Beruf sehr beliebt.
Die Versicherungsmedizin befasst sich mit Themen wie Versicherbarkeit von Risiken und Leistungen im Krankheitsfall. Mediziner/innen aller Fachrichtungen, Juristen/innen, Ökonomen/innen, Soziologen/innen, Ethiker/innen, Psychologen/innen und Biologen/innen können sich mit einem Master of Advanced Studies MAS für diesen Bereich qualifizieren.
Die verschiedenen Player im Gesundheitswesen vertreten ihre Interessen mittels Verbänden und Standesorganisationen. Für Branchenkenner/innen mit akademischem Hintergrund bieten diese Zusammenschlüsse interessante Laufbahnperspektiven.
Fazit
Der Gesundheitsbereich ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Neue Angebote im medizinischen, pharmazeutischen, medizinaltechnischen sowie biotechnologischen Bereich und die zunehmende Anspruchshaltung der Gesellschaft gegenüber Leistungen für die medizinische Versorgung, Gesundheitserhaltung und -förderung bis hin zu Lifestyleprodukten und Wellnessangeboten beeinflussen sich gegenseitig. Zudem muss den spezifischen Bedürfnissen der immer älter werdenden Bevölkerung Rechnung getragen werden. Die Finanzierung der Leistungen und ihre Abgeltung stellen die Leistungserbringer/innen, die Öffentlichkeit und die Versicherer vor Herausforderungen, die zunehmend nach Spezialistinnen und Spezialisten der verschiedensten akademischen Disziplinen verlangen. Die zahlreichen postgradualen Bildungsangebote illustrieren das breite Spektrum des Berufsfeldes Gesundheit.
Den Bedürfnissen der Gesundheitsbranche in der Forschung und in der industriellen Produktion wurde in den letzten Jahren mit neuen spezifischen Masterstudiengängen für die biomedizinische Forschung und für die Medizinaltechnik Rechnung getragen.
Weitere Berufe im Bereich Gesundheitswesen
In der Rubrik Laufbahn finden Sie zusätzlich zur unten stehenden Liste weitere Berufe aus dem Bereich Gesundheitswesen (Therapie und medizinische Technik sowie Pflege und Betreuung - von den Grundbildungen bis zu den Hochschulberufen.
Hier finden Sie eine Auswahl von Berufs- und Tätigkeitsbeschreibungen aus dieser Branche, in denen Uni-Absolventinnen und -Absolventen arbeiten.