Biologinnen und Biologen arbeiten in einem breiten Umfeld: an Universitäten, in Labors der chemisch-pharmazeutischen Industrie, bei Behörden, Ökobüros oder in Schulen. Insbesondere die molekulare Biologie und die Biotechnologie sind zu einem wichtigen Forschungszweig geworden. Die Bandbreite der Life-Science-Unternehmen reicht von führenden multinationalen Konzernen bis zu innovativen, als Ableger der Universitäten entstandenen Startup-Firmen.
Forschen an der Universität bis zum Doktorat und Post-Doc
Biologinnen, Biotechnologen und Studierende der Life Sciences lernen unter anderem Kompetenzen, die für die Forschung nützlich sind. Rund die Hälfte der Studienabsolvierenden bleibt für ein paar Jahre an einem Hochschulinstitut oder an einer hochschulnahen Forschungsanstalt, um mit dem Doktorat abzuschliessen und als Assistent/in im Unterricht tätig zu sein. Dort können sie ihre Ausbildung vertiefen und erste Forschungserfahrungen sammeln (Experimente planen, durchführen und auswerten, wissenschaftliche Literatur studieren usw.).
Eine Doktorarbeit dauert in der Regel drei bis fünf Jahre. Mit dem Doktorat verbessern sich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Um in der Forschungsabteilung beispielsweise eines Pharma- oder Chemieunternehmens eine Anstellung zu finden, braucht es einen langen Atem. Zumeist arbeiten Biologinnen und Biologen, die sich für die Forschung interessieren, zuerst im Rahmen befristeter Projekte oder Post-Doc-Programme mit, bevor sie eine feste Stelle finden.
Vor allem Biologen/innen, die im Bereich der Molekularbiologie studiert haben, weisen eine hohe Doktoratsquote auf. Drei Viertel von ihnen sind in der Forschung und im Labor tätig. Sie arbeiten damit doppelt so häufig im Bereich der Forschung wie ihre Kollegen, die Biologie in der organismischen Richtung abgeschlossen haben.
Chemisch-pharmazeutische Unternehmen, Biotechfirmen, medizinische Labors
Rund ein Drittel aller Biologen und Biologinnen findet eine Anstellung in der Privatwirtschaft, vor allem in chemisch-pharmazeutischen Unternehmen, in medizinischen Labors, bei Biotechnologiefirmen, in der Lebensmittelindustrie und in der Agrarwirtschaft. Sie betreiben dort in erster Linie Laborforschung (Planung, Überwachung und Auswertung von Versuchen), erstellen Fachberichte und arbeiten in kleinen Gruppen zusammen mit anderen Naturwissenschaftlern. Nur wenige Stellen stehen jedoch ausschliesslich Biologen/innen offen. Sie treffen auf die Konkurrenz von Chemikern, Biochemikerinnen, Agronomen, Medizinerinnen oder Pharmakologen.
Biologinnen und Biologen arbeiten auch bei Consulting-Firmen. Sie sind dabei beispielsweise zuständig für das Marketing, arbeiten als Abfallberater oder als Patentanwältin. Weitere Arbeitsmöglichkeiten bieten die Informatik-Branche und die Medien (wissenschaftlicher Journalismus). Immer häufiger werden Naturwissenschaftler/innen, die sich auch für ökonomische Aspekte interessieren, in den Bereichen Produktmanagement und Produktinformation eingesetzt oder sie steigen in die Führung einer Abteilung oder eines Unternehmens ein.
Life Sciences
Das Feld der Life Sciences vereint verschiedene Forschungszweige, die sich mit der praktischen Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Biologie, der Chemie und anderen Gebieten auseinander setzen. Die Pharmaindustrie als Bereich der Life Sciences befasst sich mit der Arzneimittelforschung und -herstellung. Dabei spielen die Gen- und die Biotechnologie eine entscheidende Rolle. Die Medizintechnik als Bereich der Life Sciences entwickelt Werkzeuge und Geräte, die zur Diagnose und Therapie in der Medizin eingesetzt werden.
Die Produktpalette, an der die Life-Science-Industrie direkt oder indirekt beteiligt ist, reicht vom Arznei abgebenden Stent (Drahtgeflecht zur Stütze eines verengten Herzkranzgefässes) über Verfahren, die Ersatzhaut für Brandopfer produzieren, bis hin zu Medikamenten, die Autoimmunkrankheiten wie Rheuma und Diabetes bekämpfen. Ausserdem werden Analysen von Boden- und Gewässerqualität und Studien zur Verträglichkeit von Pflanzenschutzmitteln durchgeführt oder Verfahren zur Abfallverwertung und Wertstoffgewinnung entwickelt.
Arbeit im Rahmen der Umweltgesetzgebung und im Gesundheitswesen
Im Zug der neuen Umweltgesetzgebung sind dem Staat im Laufe des letzten Jahrzehnts viele neue Aufgaben in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz erwachsen. Dies hat zur Schaffung einer Reihe neuer Arbeitsstellen geführt, für die unter anderem auch Biologinnen und Biologen gesucht werden. Arbeitgeber des Bundes sind etwa das Bundesamt für Umwelt, das Bundesamt für Gesundheit sowie die Bundesämter für Landestopografie, Statistik oder Veterinärwesen. Mögliche Tätigkeitsfelder finden sich auch im Patentwesen beim Institut für Geistiges Eigentum oder als wissenschaftliche Bibliothekarin bei der Schweizerischen Nationalbibliothek.
Auch in der Verwaltung des Gesundheitswesens gibt es Stellen biochemisch-molekularbiologischer Ausrichtung, beispielsweise im Zusammenhang mit der Zulassung und Registrierung von Heilmitteln und Heilverfahren.
Biologinnen und Biologen finden bei kantonalen Institutionen Anstellungen, etwa beim Amt für Natur, beim Kantonalen Labor, im Gewässerschutz, in den land- und forstwirtschaftlichen Verwaltungsabteilungen, in der Wildforschung und Wildhege, bei Versuchsanstalten, beim Archäologischen Dienst, in den botanischen und zoologischen Gärten sowie im naturwissenschaftlichen Museum (Ausstellungsstücke sammeln, präparieren und konservieren, Führungen leiten).
Ökobüros und Umweltorganisationen
In den letzten Jahren sind im Umweltbereich private Beratungsbüros entstanden, denen auch Biologen oder Biologinnen angehören. Diese interdisziplinären «Ökoteams» forschen und beraten, erstellen Gutachten zum Beispiel im Bereich Siedlungsplanung, Gewässerschutz und Lufthygiene oder führen Umweltverträglichkeitsprüfungen von neuen Überbauungen durch. In diesen Teams arbeiten Biologen eng zusammen mit anderen Wissenschaftlerinnen.
Weitere Anstellungen finden sich bei Projekten in Entwicklungsländern, bei Verbänden und privaten Stiftungen wie Schweizer Tierschutz, Schweizerische Vogelwarte Sempach, Schweizer Naturschutzbund Pro Natura, WWF, Greenpeace usw.
Unterricht
Knapp zehn Prozent der Studienabsolvierenden sind im Unterricht an Schulen tätig. Gymnasien, Landwirtschaftsschulen und Berufsfachschulen sowie die Fachhochschulen waren lange das wichtigste Berufsfeld für Biologinnen und Biologen. Gegenwärtig ist es eher schwierig, eine feste Stelle zu bekommen, befristete Anstellungen sind häufig. Es kann bei der Stellensuche helfen, wenn man ein zweites Unterrichtsfach beherrscht neben der Biologie.
Weitere Berufsmöglichkeiten siehe auch unter:
Natur
Industrielle Nahrungsmittelproduktion
Chemie, Kunststoff, Papier
Hier finden Sie eine Auswahl von Berufs- und Tätigkeitsbeschreibungen aus dieser Branche, in denen Uni-Absolventinnen und -Absolventen arbeiten.