Stellen, die sich ausschliesslich an Soziologinnen oder Soziologen richten, sind eher selten, und sie sind auf Lehre und Forschung an den Hochschulen oder auf die wenigen privaten Sozialforschungsinstitute beschränkt. Doch das Studium, vor allem die Erfahrung in selbstständigem Arbeiten und die Kenntnis der sozialwissenschaftlichen Methoden, eröffnet ein breites Spektrum von Berufsmöglichkeiten.
Erwerbstätigkeit während des Studiums wichtig
Das Studium der Soziologie (wie auch der anderen Geistes- und Sozialwissenschaften) bereitet nicht auf einen bestimmten Beruf vor. Das heisst, dass für die möglichen Tätigkeiten auch andere Hochschulabsolventen geeignet sind, insbesondere andere Sozialwissenschaftlerinnen wie z.B. Politologen, Medienwissenschaftlerinnen, zum Teil auch Bewerber/innen von nicht-akademischen Ausbildungen. Umso wichtiger ist es, sich bereits während des Studiums zusätzliche, für eine spätere Berufstätigkeit zentrale Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben und Kontakte zu knüpfen. Berufsqualifizierend können etwa die Wahl der Nebenfächer, Studienschwerpunkte, Praktika oder vertiefte Methodenkenntnisse sein.
Soziologinnen und Sozialarbeiter
Soziologen untersuchen und analysieren (gesellschaftliche) Fragen und Probleme, erarbeiten Lösungsvorschläge und kommunizieren diese in möglichst verständlicher schriftlicher oder mündlicher Form. Soziologinnen arbeiten in der Regel nicht als Sozialarbeiterinnen im direkten Kontakt mit Betroffenen, das heisst, sie sind nicht verantwortlich für Abklärung, Beratung oder Begleitung von Personen mit sozialen Problemen. Je nach Studienschwerpunkten und Praktika bzw. Studienrichtung (zum Beispiel an der Universität Freiburg «Sozialarbeit und Sozialpolitik») ist jedoch auch eine Tätigkeit in Diensten des Sozialwesens möglich.
Lehre und Forschung
Viele Soziologinnen und Soziologen sind – insbesondere in einer ersten Berufsphase nach Studienabschluss – als Assistenten und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an den Hochschulen tätig. Sie arbeiten im Instituts- und Bibliotheksbetrieb und in der Betreuung von Studierenden mit, führen Veranstaltungen zur Einführung in die Soziologie durch und nehmen an einem Forschungsprojekt teil oder schreiben eine Dissertation.
Statistikämter, praktische Sozialforschung, Marketing
Soziologen sind als wissenschaftliche Mitarbeiter bzw. Projektleiter beim Bundesamt für Statistik und bei den statistischen Abteilungen der Kantone und Gemeinden tätig. Sie sind dabei verantwortlich für die Entwicklung von Datenerhebungen, von Fragebogen und Umfragen, die Auswertung und Interpretation der Umfragen sowie die mündliche und schriftliche Publikation. Gegenstand der Untersuchungen sind gesellschaftliche Themen und Fragen wie Bildung, Kriminalität, Gesundheitswesen, Erwerbsleben und Arbeitsmarkt, Minderheiten, Kommunikations- und Informationstechnologien usw.
Ähnlich wird auch in den privaten Instituten der praktischen Sozialforschung gearbeitet. Diese Institute analysieren vor allem im Auftrag der öffentlichen Hand gesellschaftliche Problemkreise erarbeiten Massnahmenkataloge zu Themen wie etwa ausgesteuerte Arbeitslose, Alkoholsucht in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und Region, Mobilität von Behinderten usw.
Sozialwissenschaftliche Methoden, insbesondere statistische Analyseverfahren oder Interviewtechniken, kommen auch in der Marktforschung, einem weiteren möglichen Berufsfeld für Soziologinnen zur Anwendung. Dabei geht es in der Regel darum, die Zufriedenheit von Kunden mit der Qualität, der Beratung und den Lieferkonditionen eines Produkts zu eruieren. Grössere Unternehmungen wie Banken und Versicherungen führen eigene Marketing- und Meinungsforschungsabteilungen. Die meiste Soziologinnen und Soziologen arbeiten in diesem Bereich aber in spezialisierten Marktforschungs- und Meinungsforschungsfirmen.
Sozialwissenschaftliches Know-how an vielen Orten gefragt
In den Medien, im Personalwesen, in der Entwicklungszusammenarbeit, in sozialen Institutionen und Gesundheitsdiensten, vor und hinter der Kamera einer Jugendsendung, überall dort, wo Sensibilität für gesellschaftliche und zwischenmenschliche Fragen und sozialwissenschaftliches Know-how gefragt sind, bestehen mögliche Tätigkeitsfelder für Soziologinnen und Soziologen.
Soziologinnen erarbeiten zum Beispiel als Programmbeauftragte für den Bereich «Basiserziehung» im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Strategien für das Bildungssystem. Oder sie führen eine Studie zur sozialen und beruflichen Integration von Menschen mit einer bestimmten Erkrankung durch. Oder sie sind in einer Institution der Alkoholprävention zuständig für Vernetzung und Koordination mit anderen Institutionen. Oder sie beteiligen sich im Rahmen der neuen Informationstechnologien am Aufbau eines Informations- und Wissensmanagementsystems via Internet.
Gender Studies
Ein spezialisierter Zweig innerhalb der Soziologie, die so genannten Gender Studies, beschäftigt sich mit geschlechtsspezifischen Themen. Absolventinnen und Absolventen der Gender Studies finden ihr Tätigkeitsfeld hauptsächlich an Stellen der öffentlichen Hand oder von gemeinnützigen Organisationen, die sich im Rahmen der Gleichstellung der Geschlechter engagieren. Die Stellen sind allerdings eher dünn gesät. Arbeitsmöglichkeiten finden sich zum Beispiel als Gleichstellungsbeauftragte, in der Frauenförderung, im Personalwesen, in der geschlechterspezifischen Sozialarbeit oder in der Erwachsenen- und Lehrer/innen-Bildung.
Nicht nur Fachwissen gefragt
Was Soziologinnen und Soziologen auszeichnet, sind einerseits Interesse, Verständnis und Kenntnisse von gesellschaftlichen Fragen sowie Vertrautheit mit sozialwissenschaftlichen Arbeitsweisen (Erhebung und Auswertung von Daten). Andererseits werden auch allgemeine berufsqualifizierende Fähigkeiten und Fertigkeiten durch ein Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften, vor allem der Soziologie gefördert. Dazu gehören etwa das Verständnis von wissenschaftlichen Publikationen, Umgang mit der Informationsflut, dabei vor allem Informationsverdichtung, Erarbeitung von Lösungsvorschlägen sowie die schriftliche Vermittlung von komplexen Zusammenhängen. Soziologinnen und Soziologen finden entsprechend als Generalisten Arbeitsmöglichkeiten in sehr unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, die nicht unmittelbar etwas mit der Soziologie zu tun haben müssen.
Weitere Berufsmöglichkeiten siehe auch unter:
Marketing, Werbung, PR
Bildung und Unterricht
Medien und Information
Hier finden Sie eine Auswahl von Berufs- und Tätigkeitsbeschreibungen aus dieser Branche, in denen Uni-Absolventinnen und -Absolventen arbeiten.