Für Ethnologen und Volkskundlerinnen bestehen spezifische Tätigkeiten etwa in der Lehre und Forschung, in Museen und bei Hilfsorganisationen, in der Entwicklungszusammenarbeit und in der Flüchtlingshilfe, jedoch in beschränkter Zahl. Daneben stehen ihnen allgemein die verschiedenen Tätigkeitsfelder der Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen offen.
Sensibilisiert für andere Kulturen und Gesellschaften
Ethnologinnen und Volkskundler untersuchen verschiedene Formen des Zusammenlebens in der eigenen Gesellschaft und in fremden Gesellschaften oder Subkulturen u.a. unter religiösen, wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkten. Damit verfügen sie über ein breites Wissen. Zudem haben sie sich die Fähigkeit erworben, auf unterschiedliche Situationen und Personen differenziert und sensibel einzugehen. Beobachten, Erkennen, Verstehen und Kommunizieren geschehen dabei vor allem aufgrund von Methoden der Feldforschung, insbesondere in Interviews und durch deren Auswertung. Ein akademischer Abschluss allein ist jedoch oft nicht ausreichend für eine Tätigkeit im Bereich der interkulturellen Verständigung und Kommunikation.
Lehre und Forschung
An den Hochschulen sind Volkskundler und Ethnologinnen in der Regel befristet als Assistenten und Assistentinnen angestellt, führen Einführungsveranstaltungen und Tutorate durch, sind in der Studienfachberatung tätig und beteiligen sich an administrativen und bibliothekarischen Aufgaben des Seminars bzw. des Instituts. Die dabei gewonnene Berufserfahrung kann zu einem späteren Zeitpunkt auch ausserhalb des Universitätsbetriebs fruchtbar gemacht werden.
Museen, Erwachsenenbildung, Migration
Wie für die meisten Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen bestehen ausserhalb von Lehre und Forschung wenige berufliche Arbeitsfelder, die in direktem Zusammenhang zu den Themen und Fragen des Studiums stehen. Doch gibt es vielfältige Möglichkeiten, das gewonnene Verständnis für unterschiedliche Kulturen und Gesellschaftsschichten als Hintergrundwissen einzubringen.
Volkskundler arbeiten in regionalen und themenzentrierten Museen, Ethnologinnen in ethnographischen oder Völkerkundemuseen. Volkskundler/innen finden Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung sowie im Tourismus, zum Beispiel über die Mitarbeit bei Forschungsprojekten der Regionalplanung. Zusammen mit Ethnologinnen können sie in sozialen Institutionen tätig werden, zum Beispiel bei Hilfswerken, die sich um die Probleme verschiedener sozialer Schichten (etwa von Migranten und Migrantinnen sowie Flüchtlingen) kümmern.
Ethnologen und Ethnologinnen finden zusätzlich Einsätze in der Entwicklungszusammenarbeit oder bei internationalen Organisationen wie zum Beispiel als Delegierte oder Administratorinnen des Internationalen Roten Kreuzes. Da die Einsätze meistens befristet sind, muss der Frage der Wiedereingliederung und der späteren beruflichen Laufbahn bereits frühzeitig Beachtung geschenkt werden.
Medien und Öffentlichkeitsarbeit
Daneben finden Ethnologinnen und Volkskundler Beschäftigung in Bereichen, die grundsätzlich allen Sozial- und Geisteswissenschaftlern offen stehen, in denen also nicht das spezifische Fachwissen, sondern allgemeine Fähigkeiten und Fertigkeiten des wissenschaftlichen Arbeitens wie Recherchieren, Redigieren, Informieren und Kommunizieren gefragt sind. Möglichkeiten bestehen insbesondere bei Radio und Fernsehen und in den Printmedien sowie im Bereich «Information, Dokumentation, Archiv» oder in der Öffentlichkeitsarbeit (inkl. Werbung und Fundraising) etwa bei sozialen Institutionen und Hilfsorganisationen.
Berufseinstieg bereits während des Studiums
Die Aufzählung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Berufseinstieg oft nicht unproblematisch verläuft. Die Berufslaufbahn wird in starkem Masse von der Eigeninitiative der Absolventen und Absolventinnen abhängen und von den Studienschwerpunkten, von der Fächerkombination sowie von individuellen Praxiserfahrungen geleitet sein.
Eine auffallend grosse Anzahl Ethnologinnen und Volkskundler gehen bereits während des Studiums einer Erwerbstätigkeit nach, die in einem inhaltlichen Zusammenhang zum Fachstudium steht. Sie schaffen sich dadurch wichtige Kontakte und erwerben sich erste konkrete Berufserfahrungen.
Für viele mögliche Berufsfelder (Entwicklungszusammenarbeit, Museologie, internationale Organisationen, Regionalplanung, Management in sozialen Institutionen, Journalismus usw.) bestehen zudem spezifische Weiterbildungen.
Weitere Berufsmöglichkeiten siehe auch unter:
Hier finden Sie eine Auswahl von Berufs- und Tätigkeitsbeschreibungen aus dieser Branche, in denen Uni-Absolventinnen und -Absolventen arbeiten.